Berlin : Zwischen Zellengefängnis und Zoologischem Garten

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Der Hunger Berlins war unersättlich. Ihren Nachbarn hatte die Stadt schon manches Gebiete abgetrotzt, nahm mittlerweile eine Fläche ein, die das von der alten Akzisemauer umgrenzte Areal um einiges übertraf. Und sie würde weiter wuchern, das deutete sich in der Karte „Berlin und Charlottenburg mit nächster Umgebung“ von 1857 bereits an. Angefertigt wurde sie von der topographischen Abteilung des Königlich Preußischen Großen Generalstabs. Es dürfte die Militärs und die Staatsführung nach den Erfahrungen von 1848 sehr beruhigt haben, die Stadt auf dem Planwerk noch immer wie von Exerzierplätzen umzingelt zu sehen. Die zivile Repression kristallisierte sich dagegen im Stern des neuen, heute bis auf Reste verschwundenen, Zellengefängnisses, nordwestlich des Spreebogens in Moabit gelegen. Trotz aller Umwälzungen, die in den nächsten 150 Jahren noch folgen sollten, nahm die Stadt allmählich den heute vertrauten Grundriss an. Charlottenburg machte sich bereits so breit, dass es eigens im Kartentitel Aufnahme fand, und all die Orte der Umgebung, die sich Berlin knapp 65 Jahre später endgültig einverleiben würde, unterstanden bereits den Gerichten der Residenzstadt. Den Tiergarten, an den sich der neue Zoologische Garten anschloss, durchzog das von Lenné entworfene Wegenetz. Von Lenné war auch der erste Teil des Friedrichhains gestaltet worden. Der Anhalter Bahnhof und die anderen Kopfstationen umringten das Zentrum, der Landwehrkanal war ausgebaut, und sogar der Kurfürstendamm war schon da, noch ein simpler Knüppeldamm, aber einer mit Zukunft. ac

Nächste Folge am 15. Dezember: der Stadtplan von 1875. Alle Karten sind ab 13. Dezember in der TagesspiegelGeschäftsstelle, Potsdamer Straße 81-83 in Tiergarten, zu kaufen, in Kunstdruckqualität und ungefaltet. Ein kleiner Plan (A 3) kostet 5 €, ein großer (A 1) 8 €. Info-Tel. (030) 26009-514

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