Berlin : Zwischen Zitadelle und Pergamonaltar

Bis zwei Uhr nachts präsentieren am kommenden Sonnabend mehr als hundert Einrichtungen ihr kulturelles Angebot

Florian Urschel

Wie sieht es eigentlich mitten in der Nacht im ehemaligen Palast der Republik aus? Wer den „entkernten“ Bau zu einer ungewöhnlichen Tageszeit besichtigen möchte, kann seine Neugier am kommenden Sonnabend stillen. Bis zwei Uhr nachts erläutern Kenner, was der „Volkspalast“ am Schlossplatz einstmals zu bieten hatte. Doch er ist nur eine von mehr als 100 Einrichtungen, die zur 16. Langen Nacht der Museen, die unter dem Motto „Landschaft, Parks und Gärten“ steht, zu so später Stunde besucht werden können. Mit den eigens für diese Nacht eingerichteten Shuttle-Bussen, die als solche gekennzeichnet sind, können die Besucher vom Roten Rathaus aus zwischen den einzelnen Besichtigungsorten hin- und herfahren oder unterwegs zu- beziehungsweise aussteigen. Die Kombikarte für zwölf Euro (ermäßigt acht Euro) schließt sowohl die Eintrittsgelder als auch die Benutzung des öffentlichen Nahverkehrs für die An- und Abfahrt zur Veranstaltung ein.

Eröffnet wird das Kulturfest um 18 Uhr vor dem Roten Rathaus vom Regierenden Bürgermeister. Wer Lust hat, kann sowohl das Büro von Klaus Wowereit als auch den Senatssitzungsaal besichtigen. Nicht zu übersehen ist die Großplastik „Climb“ des Pariser Künstlers Armel Réau auf dem Vorplatz. Sie gehört zum Projekt „RefleCity“, das weitere Skulpturen Unter den Linden zeigt.

Das Angebot an Veranstaltungen der an dieser Nacht beteiligten Museen und kulturellen Einrichtungen ist so vielfältig, dass nur einige erwähnt werden können. So wird beispielsweise in der Polizeihistorischen Sammlung in Tempelhof in einem Theaterstück ein Mordfall aus dem Jahr 1931 aufgeklärt. Noch weiter zurück geht es im Wäschereimuseum in Köpenick: Dort wird Wäsche wie vor 100 Jahren bearbeitet – mit Waschzubern und Plätteisen.

Am anderen Ende der Stadt, in der Spandauer Zitadelle, warten Scharen von Fledermäusen in den Gewölben auf Besucher. Wem es in Spandau zu gruselig ist, kann im „Museum der unerhörten Dinge“ in Schöneberg naturnaher Musik lauschen. Der Museumsdirektor Roland Albrecht präsentiert seine Aufnahme der „Fallenden Eicheln von Wiepersdorf“. Auch die populären Häuser in Mitte bieten besondere Programme. So zeigen auf dem Ehrenhof vor dem Pergamonmuseum Schauspieler des Hexenkessel Hoftheaters das Hölderlin-Stück „Der Tod des Empedokles“. In der Alten Nationalgalerie rezitiert Michaela Cessari Goethes „Iphigenie auf Tauris“ und im Alten Museum läuft der Dokumentarfilm „Schliemann in Troja".

Da die meisten Kinder während der Hauptveranstaltungen längst im Bett liegen, starten einige Museen schon am Nachmittag mit Kinderprogrammen. Häufig sollen die Kleinen dabei selbst kreativ werden: Im Jüdischen Museum in Mitte beispielsweise können die Kids ab 16 Uhr ihren Namen in hebräischen Buchstaben auf ein T-Shirt drucken. Ab 17 Uhr wird das Ethnologische Museum in Dahlem zur „Erfinderwerkstatt“. Dort besteht für Kinder ab sechs Jahren die Möglichkeit, aus Müll ihr eigenes Spielzeug herzustellen. Und im Kulturforum am Potsdamer Platz gibt es zur gleichen Zeit Gelegenheit, „Schmuck für Garten und Balkon“ zu basteln.

Etwas Besonderes hat sich das Dom Aquarée in Mitte ausgedacht. Dort findet von 21 bis 23 Uhr eine „Lange Nacht des Wassers“ statt. In dieser Zeit präsentieren Künstler, Musiker und ein Unterwasserzirkus ihre Ideen zum nassen Element. Und das alles ist gratis.

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