Berlin : Zwischenfall beim Landeanflug: Außenminister musste in Tegel durchstarten

Rainer W. During

Rund sieben Kilometer vor Erreichen des Flughafens Tegel hat gestern früh der Pilot des Luftwaffen-Airbusses, mit dem Bundesaußenminister Joschka Fischer aus New York zurückkehrte, über Spandau den Landeanflug abbrechen müssen. Vermutlich hatte ein an Bord eingeschaltetes Handy plötzlich die beiden Anzeigen des Instrumentenlandesystems im Cockpit gestört. Nach einer Platzrunde konnte der Regierungsjet problemlos landen. Der Außenminister und seine 38 Begleiter sollen nicht in Gefahr gewesen sein.

Der Airbus A 310 hatte gegen 7.30 Uhr trotz guten Wetters nach Instrumentenflugregeln landen sollen. Beim Instrumentenlandesystem (ILS) senden Bodenstationen Funksignale aus, die auf den Sichtgeräten im Cockpit Abweichungen von Kurs und Gleitwinkel erkennen lassen. In etwa 500 Metern Flughöhe - der Airbus befand sich etwa in Höhe des Spandauer Kiesteiches - bemerkte die Crew eine Störung der Anzeigen. Weil er die Piste wegen der aufgehenden Sonne nicht erkennen konnte, verzichtete der Bordkommandant auf eine Sichtlandung und beschloss, den Anflug abzubrechen.

Oberstleutnant Günter Graf ist ein erfahrener Pilot mit über 7000 Flugstunden, davon 2000 auf dem Airbus. Nach einer Platzrunde konnte die Maschine problemlos landen. Um 7.46 Uhr befanden sich der Außenminister und seine Begleitung wieder auf dem Boden. Ein Militärsprecher bestätigte, dass es bereits beim Start in New York eine Instrumentenstörung gab. Nachdem die Passagiere in Tegel den Airbus verlassen hatten, ergab eine Überprüfung der Bordelektronik keinen Fehler. Mit wieder funktionierender Anzeige konnte der Jet eine Stunde später zu seiner Heimatbasis Köln/Bonn zurückfliegen.

Zwischen dem Vorfall und dem gegenwärtigen Austausch eines Instrumentenlandesystems in Tegel besteht nach Angaben der Deutschen Flugsicherung (DSF) kein Zusammenhang. Voraussichtlich noch bis Ende Dezember ist das ILS der Nordbahn für Landeanflüge in Richtung Westen außer Betrieb. Der Fischer-Jet flog aufgrund der Windverhältnisse in entgegengesetzter Richtung an. Die 14 Jahre alte Anlage wird routinemäßig erneuert. Bei normalen Wetterverhältnissen können die Maschinen trotzdem wie gewohnt landen. Lediglich bei schlechter Sicht oder auf Pilotenwunsch wird die mit einem eigenen System ausgestattete Südbahn benutzt, sagte der Betriebsleiter der Berliner Kontrolltürme, Ulrich Schulz. Dann fliegen die Maschinen etwa 200 Meter weiter südlich über Reinickendorf als gewohnt. Einige Anwohner haben sich in den vergangenen Tagen über den ungewohnten Fluglärm beschwert.

Eine der Rollbahnen berührt den Schutzbereich der ILS-Antennen. Die Piloten werden deshalb vor möglichen Signalstörungen gewarnt. Bisher sind keine Beeinträchtigungen gemeldet worden. Damit es beim starken Verkehrsaufkommen in Tegel nicht zu Verspätungen kommt, müssen die Flugzeuge noch zum Start rollen können, während sich andere Maschinen bereits in größerer Entfernung auf Anflugkurs befinden. In der kritischen Landephase werde der Antennenbereich frei gehalten, sagte Ulrich Schulz, der Betriebsleiter der Kontrolltürme.

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