• Zwischenruf zu …: … einer gut gemeinten Diskriminierung Barbara John über amtlich verfügte Vorteile

Zwischenruf zu … : … einer gut gemeinten Diskriminierung Barbara John über amtlich verfügte Vorteile

Barbara John



Sibel Kekilli, mehrfach ausgezeichnete Filmschauspielerin, ist sauer. Es nerve sie, bekannte sie kürzlich, von jedem nach ihrer Herkunft gefragt zu werden. „Ich bin keine Islamwissenschaftlerin; ich bin keine Politikerin. Ich bin in Deutschland geboren, meine Sprache ist Deutsch.“ Wenn so schon Kinder der Eingewanderten reagieren, wie sehr muss es dann erst die Enkelgeneration treffen, oft und immer wieder Auskunft geben zu sollen über das Herkunftsland und die Kultur ihrer Großeltern. Wer das will, kann es ja tun. Aber diese selbstverständliche Freiheit gibt es in Deutschland nicht überall. Im Erfinderland des Migrationshintergrundes, als eines staatlich verordneten Personenmarkers, wollen einige Bundesländer es ganz genau wissen, natürlich für einen guten Zweck. Denn wer einen „MH“ (Migrationshintergrund) amtlicherseits zugestanden bekommt, erhöht seine Chancen auf eine Stelle im öffentlichen Dienst, solange MH-Personen noch unterrepräsentiert sind. So jedenfalls ist es im Berliner Partizipations- und Integrationsgesetz vorgeschrieben. Aber wie lässt sich feststellen, wessen Eltern und auch Großeltern, wann, wo und mit welcher Nationalität zur Welt kamen und wann sie eingewandert sind? Keine Bange, das Verfahren dazu (kostet einige Euro) wird gerade entwickelt. Dann werden alle öffentlich Bedienstete und die neuen Bewerber auf MH gescreent. Also, mal wieder eine Reform, die außer Kosten und Bürokratie nichts bringt. Denn wenn es wirklich um Förderung oder um spezielle Qualifikationen wie Sprachen oder Kultur ginge, gäbe es konkretere Anhaltspunkte als den MH.

Aber auch alle anderen Kinder und Enkel von Einwanderern werden als MH-Menschen begrifflich getrennt von der „Aufnahmegesellschaft“ und als Gegensatz dazu definiert. Immer schwingt dann mit, dass sie doch anders sind: Manchmal fehlt ihnen etwas, manchmal haben sie etwas mehr als Deutsche. Dabei gehören sie doch längst dazu. Und was lese ich gerade im neuen Buch von Klaus Wowereit über Integration: „Eine Trennung zwischen ,echten’ Deutschen und den ,anderen’ ist überhaupt nicht mehr möglich.“ Oh doch, in Berlin schon, sogar per Gesetz verordnet.

Übrigens habe ich laut Wikipedia auch einen „MH“, als „Tochter polnischer Eltern“. Die stammen allerdings aus Schlesien.

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