Berlin : Zwistdemokraten

Werner van Bebber

wundert sich nicht über den Streit in der CDU Hartz IV hat jenseits aller praktischen Zukunftsfragen einen starken Effekt: Wie eine gehörige Portion Chilischoten verschärft das Gesetz die politischen Gegensätze quer durch die Parteien. Und das ist, um ausnahmsweise mal Klaus Wowereit zu zitieren, „auch gut so“, denn in Berlin haben sich die Leute an einen Politbetrieb gewöhnt, der aus bloß zwei Teilen besteht, dem Skandal und der Langeweile. Nach der bizarren PDS mit ihrer Mischung aus Mitregieren und Dagegensein stresst Hartz IV jetzt die CDU: Zimmer gegen Zeller. Das ist die klare Konfliktansage aus der Fraktion an alle, die den Montagabend mit kollektivem Greinen verbringen gegen den sorgenzerfurchten Versuch des führenden CDU-Politikers, die Leute „mitzunehmen“ in ihrer Aufregung, denn sonst wenden sich die Leute ab und laufen Extremisten nach. Zimmer gegen Zeller – fast möchte man einen noch immer vorhandenen West-Ost-Konflikt in der Auseinandersetzung erkennen: der Westmensch, dessen politische Tugend, wenn er eine hat, in klarer „Führung“ besteht – der Ostmensch, der die verschiedensten Verständnisse von „Gerechtigkeit“ nie ganz vergisst, der sich als Mensch und Mann mit Amt gerade denen verbunden fühlt, die immer Sorgen und Existenzängste haben. Der West-Ost-Konflikt – warum sollte er eigentlich verschwunden sein? – gehört gewiss zum Gegeneinander von Zimmer und Zeller. Wichtiger dürfte für beide etwas anderes werden: die Antwort auf die Frage, ob sich Politiker überhaupt noch zu einem Minimum an Konsequenz bereitfinden, auch wenn der Volkszorn lodert und die Umfragen einen nervös machen. Dazu ist nur Zimmer bereit.

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