Berlin : Zwölf Punkte für Almanya

Heute steigt der Grand Prix in Istanbul. Berlins Türken gucken zu – zum Beispiel in Yücel Mutlus Restaurant

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Dahin, wo jetzt noch Bilder und Spiegel hängen, kommt die Leinwand. Daneben die Lautsprecheranlage. Yücel Mutlu hat die Planung für den GrandPrix-Abend im Griff. Im vergangenen Jahr hätte der 33-jährige Türke, der in der Kollwitzstraße in Prenzlauer Berg das Restaurant Agora betreibt, an eine Live-Übertragung noch nicht gedacht. „Dass die Show dieses Jahr aus Istanbul kommt, das hat natürlich den Kick gegeben“, sagt der Gastronom, der seit seinem dritten Lebensjahr in Deutschland wohnt.

Und die Entscheidung, den Grand Prix zu übertragen, für ihn zur Ehrensache gemacht. Cem Özdemir, Kandidat der Grünen für die Wahl zum Europäischen Parlament, und Mutlus Bruder Özcan, bildungspolitischer Sprecher der Grünen in Berlin, haben schon gebucht. Auch wenn das Abschneiden des türkischen Beitrags beim Grand Prix früher nicht der Rede wert war: Seit Sertab Erener im vergangenen Jahr erstmals den Sieg an den Bosporus holte, sind auch die Türken in Berlin ein wenig Eurovisions-verrückt geworden. „Endlich konnte man da mal sehen: So schlecht sind wir gar nicht. Und wir machen auch gute Popmusik. Nicht nur Volksmusik, wie die meisten immer denken“, sagt Mutlu. Auch die Begeisterung in der türkischen Gemeinde Berlins schätzt er hoch ein. „Da fiebern garantiert viele mit dieses Jahr.“ Wenn es nach Mutlu ginge, stünde der Sieger schon fest: Max Mutzke aus Waldshut. „Der ist spontan, macht eine gute Show, der gibt einfach, was er kann. Ist doch total authentisch.“ Mutlus Gäste würden, da ist er sich so gut wie sicher, heute Abend alle für Max stimmen – wenn man denn aus Deutschland für den deutschen Beitrag abstimmen könnte. So bleibt nur das Daumendrücken. Und die Überzeugung, dass „Can’t wait until tonight“ alle für den Grand Prix wichtigen Merkmale mitbringt. Natürlich würde Mutlu auch der Türkei den Sieg gönnen. „Aber zweimal hintereinander gewinnt sowieso kein Land.“ Also Max. Den muss er sehen. Und weil Mutlu heute arbeiten muss und nicht vor dem Fernseher sitzen kann, war es für ihn klar, dass er die Fernsehübertragung in seinem Lokal laufen lässt.

Auch politisch bedeutet der Grand Prix ihm eine Menge. „Die Türkei ist ein wunderbares Land und der Grand Prix wird in die ganze Welt ausgestrahlt. Da hat die Türkei endlich einmal die Möglichkeit, ihre Landschaft, ihre Kultur der ganzen Welt zu präsentieren.“ Und eines steht für ihn ohnehin fest: Die Türkei gehört zu Europa. Beim Grand Prix ist das schon seit Jahren so.

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