Berlinale 2008 : Weniger politisch und weniger deutsch

Die Internationalen Filmfestspiele Berlin verzeichnen in diesem Jahr erneut einen Höchststand bei den Bewerbungen. Festival-Direktor Dieter Kosslick will weniger Filme aus Deutschland zeigen und präsentiert die ersten Wettbewerbsbeiträge.

Nathalie Waehlisch

BerlinFür die Berlinale 2008 seien rund 5000 Filme eingereicht worden, sagte Festival-Direktor Dieter Kosslick. "Das ist eine neue Rekordzahl in der Geschichte der Berlinale." Im vergangenen Jahr wurden bis Mitte Dezember etwa 4450 Filme eingereicht, 2005 waren es bis zum gleichen Zeitpunkt rund 3800 Produktionen.

Die Zahl der Filme im offiziellen Programm werde aber nicht erhöht, betonte Kosslick. Sie liege derzeit bei 360 Produktionen. "Damit ist das Angebot für die Zuschauer bereits ziemlich groß", sagte der Festival-Chef. Es zeichnet sich jedoch ab, dass die Anzahl der Filme im European Film Market, dem zentralen filmwirtschaftlichen Bereich des Festivals, noch einmal ansteigen wird. 2007 waren dort 700 Filme für die Filmeinkäufer gemeldet.

Interesse an deutschen Filmen gewachsen

Mehrere Wettbewerbsbeiträge stehen bereits fest, darunter der US-Film "There Will Be Blood" von Regisseur Paul Thomas Anderson und Doris Dörries "Kirschblüten - Hanami" mit Elmar Wepper und Hannelore Elsner. Wie viele weitere deutsche Filme ins Rennen um den Goldenen und die Silbernen Bären gehen, ist derzeit noch offen.

In diesem Jahr seien viele deutsche Filme produziert worden, sagte Kosslick. Es sei ein "guter Jahrgang", weil die Genres sehr unterschiedlich seien. Einige deutsche Produktionen würden jedoch bis zur Berlinale nicht fertig.

"Der Druck auf die Berlinale, unbedingt mehrere deutsche Filme im Wettbewerb zu haben, um zu beweisen, dass es den deutschen Film gibt, ist aber mittlerweile ein bisschen raus", betonte er. Die internationale Situation habe sich verändert, das Interesse an deutschen Filmen sei über die Grenzen hinaus vorhanden. "Da müssen wir nicht alle deutschen Filme zeigen."

Berlinale beschäftigt sich mit Israel

Filmisch gewürdigt werden soll auf dem Festival auch der 60. Jahrestag der Staatsgründung Israels. Es gebe sehr interessante israelische Spielfilme und Dokumentationen, die sich mit der Geschichte des Landes auseinandersetzten. "Die Filmlage ist sehr gut, und wir wollen auf der Berlinale anlässlich des Jahrestags mehrere Filme aus und über Israel zeigen", kündigte Kosslick an. Er hoffe, dass auch erneut ein israelischer Film im Wettbewerb laufe. Gut werden nach seinen Worten auch Filme aus Asien vertreten sein.

Die thematische Vielfalt bei der 58. Berlinale wird laut Kosslick breit gefächert sein. "Wir haben nicht nur politische Szenarien, sondern auch kleine Kammerspiele und individuelle Schicksale, die wieder in den Mittelpunkt rücken", sagte er. Viele Filmemacher beschäftigten sich mit persönlichen Krisen. Es werde viel über Abschied und Tod gefilmt.

Die 58. Internationalen Filmfestspiele finden vom 7. bis 17. Februar statt. 2007 zählte das Festival rund 430.000 Kinobesuche, davon gingen etwa 230.000 Tickets ans Publikum. Die Berlinale müsste aufgrund des immer stärker werdenden Publikums-Andrangs theoretisch vergrößert werden, sagte Kosslick. Dies sei aber schwierig. "Wir nehmen auch schon immer mal wieder ein Kino dazu." Aber das Festival könne nicht endlos ausgeweitet werden. (mit ddp)