Berliner Clublegende : SO36 von Schließung bedroht

Seit 30 Jahren macht der Punkrockschuppen in der Kreuzberger Oranienstraße Radau. Jetzt fühlt sich ein Nachbar gestört - und bringt die Betreiber in Bedrängnis.

Jan Oberländer
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Flagge zeigen. Mit blau-weißen Fähnchen bekunden Anwohner ihre Solidarität mit dem bedrohten Club.Foto: Tsp

BerlinAnfang April haben sie noch gefeiert. Dreißig Jahre, das ist ein stolzes Alter für einen Punkclub. Und das legendäre SO36 in der Kreuzberger Oranienstraße ist seit seiner Gründung kein bisschen leiser geworden.

Es ist sogar ein bisschen zu laut. Und genau das ist das Problem.

In den vergangenen Monaten hatte es nach Angaben des Betreiberkollektivs mehrere Beschwerden eines Nachbarn gegeben. Der Club, in dem Konzerte, Partys und Bingo-Abende stattfinden, macht ihm zu viel Radau. Versuche, den Konflikt einvernehmlich zu regeln, schlugen bisher fehl. Der Nachbar wollte sich weder eine Umsetzwohnung noch neue Fensterscheiben finanzieren lassen.

Am 27. Februar schickte das Ordnungsamt schließlich ein Schreiben mit Auflagen zur Lärmreduzierung. Diese Auflagen sind so streng, dass der Club, der jährlich 70.000 Gäste anzieht, sich ernsthaft in seiner Existenz bedroht sieht. Punk- und Technokonzerte müssen nun in "Zimmerlautstärke" abgehalten werden - was natürlich "keinen Spaß" macht, wie SO36-Sprecher Henning Sedlmeir feststellt. Auch dem Publikum nicht.

Mauer bauen - oder dicht machen

Um in Zukunft trotzdem wieder den gewohnten Pegel fahren zu können, muss das SO36 nun "umfangreiche bauakustische Maßnahmen" treffen. Eine mehrere Meter hohe Schallschutzmauer muss neben dem Gebäude errichtet werden. Die 80.000 Euro, die eine solche Wand kosten würde, kann der Club jedoch nicht aufbringen. Rücklagen hat der gemeinnützige Verein nicht.

Deshalb fordern die Betreiber nun von Bezirk und Stadt: "Gebt uns Geld für eine Schallschutzmauer, damit wir unsere Arbeit fortsetzen können." Schließlich gehe es "um die Entscheidung für oder gegen unsere Kultur".

Und diese Kultur ist reichhaltig. In den drei bewegten Jahrzehnten seines Bestehens haben Künstler wie Martin Kippenberger den Club geprägt, haben Bands wie die Toten Hosen, Slime oder die Einstürzenden Neubauten im "Esso" gespielt. Auch internationale Punk-Helden wie die Dead Kennedys oder Bad Religion traten auf (mehr...).

Inzwischen hängen in Schaufenstern und Privatwohnungen rund um den bedrohten Club viele weiß-blaue Fähnchen, die solidarisch fordern:  "SO36 bleibt!"

Die drei "runden Tische", die bisher mit Vertretern von Bau- und Ordungsamt veranstaltet wurden, haben zu keinem Ergebnis geführt. "Wir warten weiter," heißt es im SO36. Die Politik müsse eine Lösung finden. Selbst wenn sich der unbequeme Nachbar doch noch mit neuen Lärmschutzfenstern beruhigen lasse, müsse die Wand gebaut werden. Sonst beschwert sich irgendwann der nächste Anwohner. jo

Link: Zur Homepage des SO36