Berliner Flughäfen : Investor für Flugabfertigung in Berlin gesucht

Die Betreibergesellschaft will sich von ihrem Tochterunternehmen Globe Ground trennen. Einen Interessenten gibt es noch nicht.

Rainer W. During

BerlinDie 1500 Beschäftigten, die an den Berliner Flughäfen die Abfertigung betreiben, stehen vor einer ungewissen Zukunft. Am Freitag beschloss die Berliner Flughafengesellschaft, sich von ihrer Tochtergesellschaft Globe Ground Berlin zu trennen. Der Aufsichtsrat habe entschieden, dass die Berliner Flughäfen den Verkauf ihres 51-prozentigen Anteils vorbereiten, sagte Flughafensprecher Ralf Kunkel. Einen Käufer für das Abfertigungsunternehmen, an dem die Lufthansa die restlichen Anteile hält, gibt es noch nicht.

„Wir sehen in dem Verkauf eine neue Chance für Globe Ground, sich besser im härter werdenden Wettbewerb in der Branche aufstellen zu können“, sagte Kunkel. In den vergangenen Jahren hatte das Unternehmen hohe Verluste erwirtschaftet und Marktanteile verloren. Schuld daran ist laut Branchenkennern besonders der verstärkte Kostendruck durch den hohen Anteil von Billigfliegern an Berlins Flughäfen. Die ursprünglichen Tarifverträge bei Globe Ground lagen auf dem vergleichsweise hohen Niveau des Lufthansa-Konzerns vor Beginn der Billigflieger-Ära.

Bei der Passagierabfertigung konkurriert Globe Ground mit zahlreichen Unternehmen. Nach der Liberalisierung der Bodenverkehrsdienste in der EU gibt es mit der spanischen Acciona-Gruppe seit einigen Jahren auch bei der Flugzeugabfertigung Konkurrenz. Nach Angaben des zuständigen Sekretärs der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, Michael Walter, ist der Marktanteil des Dienstleisters an den Berliner Flughäfen auf etwa 75 Prozent gesunken. Mitbewerber, so heißt es in Flughafenkreisen, seien im Schnitt 30 Prozent billiger.

Bereits 2005 haben die Mitarbeiter laut Verdi rund zwölfprozentige Einbußen auf sich genommen. Ein im Dezember ausgehandelter Tarifvertrag sah neben dem Verzicht auf Lohnerhöhungen und 13. Monatsgehalt auch Kürzungen bei Arbeitszeit und Urlaub vor. Das hätte laut Verdi einen weiteren Lohnverzicht von 20 Prozent bedeutet – die Tarifkommission verweigerte die Zustimmung.

Im Mai scheiterte auch ein weiterer Kompromissvorschlag. Über einen reduzierten Sparvorschlag der Gewerkschaft hätten weder Geschäftsleitung noch Gesellschafter reden wollen, sagte Walter. Stattdessen habe die Globe Ground die Löhne einseitig gesenkt. Der Gewerkschaftssekretär spricht von „ganz offenem Tarifvertragsbruch“, zahlreiche Mitarbeiter würden dagegen klagen. Die Geschäftsleitung von Globe Ground war am Freitag zu keiner Stellungnahme bereit.

Offen ist, ob die Lufthansa von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch machen wird oder vielleicht dazu neigt, ihre Anteile ebenfalls abzustoßen. Man werde die Situation analysieren und dann eine Entscheidung treffen, sagte Lufthansa-Sprecherin Stefanie Stotz.

Kaufinteressenten könnten ansonsten aus dem Kreis der anderen Flughäfen und zum Teil global tätigen Abfertigungsunternehmen kommen, heißt es bei Verdi.

Für Walter ist der Verkauf die falsche Lösung. Andere Flughäfen wie Frankfurt und München würden nicht auf eigene Abfertigungsfirmen verzichten. Das sei eine Frage der Qualitätssicherung, die gerade auch im Hinblick auf den neuen Flughafen BBI von Bedeutung sei. Offen ist auch, was bei einem Verkauf aus der Zusicherung der bisherigen Gesellschafter wird, bis 2012 keine betriebsbedingten Kündigungen auszusprechen.

Insider weisen darauf hin, dass die Berliner Flughäfen derzeit versuchen, ihre Kosten im Hinblick auf die für den Bau des BBI notwendigen Kredite drastisch zu senken. Mit Globe Ground bestehe kein Beherrschungsvertrag, der zum Ausgleich der Verluste zwinge, sagte Holger Rößler, der für Verdi im Aufsichtsrat sitzt. Mit einem Konkurs des Dienstleisters rechnet er nicht. Indessen will Walter neue Arbeitskampfmaßnahmen nicht ausschließen. Am 20. April kam es durch einen Streik des Globe-Ground-Personals bereits zu Verspätungen bei mehr als 600 Flügen.