Berliner Museumsinsel : Die Nofrete steht bald im Neuen Museum

Berlins weltberühmte Museumsinsel wird noch prachtvoller. Der Grund: Das Neue Museum hat Richtfest am Freitag. "Wir werden unsere Schätze dort endlich gebührend ausbreiten können", freut sich Direktor Wilfried Menghin.

Marion Schierz[ddp]
Neues Museum Foto: ddp
Der Kolonnadenbau soll zum zentralen Empfangsgebäude der Berliner Museumsinsel werden. Baubeginn ist 2009. -Foto: ddp

Berlin Nach der Alten Nationalgalerie, die eine der bedeutendsten deutschen Sammlungen von Malerei und Skulptur des 19. Jahrhunderts beherbergt, präsentiert sich seit knapp einem Jahr das Bode-Museum im grundsanierten Zustand. Am Freitag wird nun für das Neue Museum das Richtfest gefeiert.

Als einziges der fünf Museumsbauten auf der Insel war das Gebäude lange Zeit Kriegsruine. Die Wiedereröffnung des von Friedrich August Stüler zwischen 1843 und 1855 errichteten Kunsttempels ist für Oktober 2009 geplant. Dann werden dort wie vor seiner Zerstörung die Sammlungen des Ägyptischen Museums - einschließlich der Nofretete - und des Museums für Vor- und Frühgeschichte zu bewundern sein.

Offener Kolonnadencharakter

 "Wir werden unsere Schätze im Neuen Museum endlich gebührend ausbreiten können", sagt der Direktor des Museums für Vor- und Frühgeschichte, Wilfried Menghin. Immerhin könne mit den Beständen die Archäologie Europas von 40.000 vor bis 1200 nach Christus exemplarisch dargestellt werden. Im Neuen Museum sei mit 2600 Quadratmetern dreimal so viel Platz wie derzeit im Quartier in Berlin-Charlottenburg.

Den internationalen Wettbewerb für den Wiederaufbau des Neuen Museums hatte 1997 das Büro des britischen Architekten David Chipperfield gewonnen. Dieses zeichnet auch für das umstrittene Eingangsgebäude - die James-Simon-Galerie - verantwortlich, dessen Errichtung 2009 beginnen soll. Das voraussichtlich 2012 fertiggestellte Gebäude wird nun nach dem veränderten Entwurf einen offenen Kolonnadencharakter haben und für die jährlich erwarteten vier Millionen Besucher Räume für Gastronomie und Information enthalten.

Haus als Träger der Geschichte und funktionsfähiges Museum

Das Neue Museum ist ein Dokument des Museumsbaus des 19. Jahrhunderts. An ihm wurden viele neue Materialien und Konstruktionen erprobt, wie Anne Schäfer-Junker von den Staatlichen Museen zu Berlin sagt. Beispielsweise sind aufwendige Fußbodenmosaiken aus trocken gepresster, zu Mosaiksteinchen geformter Steingutmasse plattenweise vorgefertigt worden. Die Innenräume zeigten Marmorimitationen, wie Marblezement und Marmorino, die auch heute noch die Räume zieren.

Zudem war das ganze Bauwerk von eisernen Traggliedern durchzogen. Diese neue Konstruktionstechnik erlaubte die Vorfertigung der Bauteile und damit eine derart kurze Bauzeit, betont Schäfer-Junker. Revolutionär waren auch die technischen Hilfsmittel: Zum ersten Mal wurden eine mit Dampf betriebene Ramme für die Pfahlgründung in der Spree und ein ebenfalls mit Dampf betriebener Lastenaufzug verwendet.

Das Haus sei unterschiedlich stark zerstört gewesen, sagt Nina Helten, Sprecherin des Chipperfield-Büros. Angesichts des teilweise hohen Zerstörungsgrades sei "eine scheinechte Rekonstruktion des Hauses ausgeschlossen" worden. Vielmehr sei "eine Neuinterpretation der Stülerschen Struktur in der Architektursprache unserer Tage gewählt worden", was den Erhalt und die behutsame Restaurierung der historischen Bausubstanz einschließe. Das Konzept des Wiederaufbaus sieht vor, "das Haus als Träger der Geschichte und zugleich als funktionsfähiges Museum zu vollenden".

Museumsinsel: 60.000 Quadratmeter für fünf Museen

Völlig zerstört war Helten zufolge der gesamte Nordwestflügel. Die Treppenhalle war bis auf ihre Grundmauern ausgebrannt. Dagegen waren in den Innenräumen des Baus einige Wandzyklen noch gut erhalten. In den Nachkriegsjahren waren die intakt gebliebenen Räume des Ostflügels als Depot oder für Werkstätten und Büros genutzt worden. Die zerstörten Gebäudeteile blieben bis 1989 der Witterung ausgesetzt. Dann begann die sogenannte Gründungssanierung.

Die Berliner Museumsinsel umfasst auf fast 60.000 Quadratmetern Fläche das Alte Museum, das Neue Museum, die Alte Nationalgalerie, das Bodemuseum und das Pergamonmuseum. 1999 hatte der Stiftungsrat der Stiftung Preußischer Kulturbesitz einen "Masterplan" beschlossen, der die Richtlinien für die Sanierung und Vollendung des Ensembles umfasst. Im selben Jahr wurde die Museumsinsel auch in die Liste des Unesco-Weltkulturerbes aufgenommen.