Der Tagesspiegel : Berlins S-Bahn steckt im Chaos

Bundesamt: Fahrverbot für weitere 190 Wagen

Berlin - Die S-Bahn hat in einem bisher noch nicht vorgekommenen Ausmaß gegen Sicherheitsauflagen verstoßen. Die Folge: Das Unternehmen musste auf Anordnung des aufsichtsführenden Eisenbahn-Bundesamtes in der Nacht zum Dienstag sofort weitere 190 Zwei-Wagen-Einheiten von 500 insgesamt vorhandenen aus dem Betrieb nehmen. Zuvor mussten bereits 50 sogenannte Viertelzüge wegen nicht eingehaltener Zusagen stillgelegt werden. Waren die Züge bisher deshalb nur verkürzt worden, konnte die S-Bahn am Dienstag auch nicht mehr den Fahrplan einhalten. Züge fuhren seltener, Linien wurden komplett eingestellt. Auch in den nächsten Tagen wird sich daran nicht viel ändern. Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) reagierte zornig und kündigte erneut an, prüfen zu wollen, ob der Vertrag des Senats mit der S-Bahn vorzeitig aufgelöst werden kann.

Nach dem Bruch eines Rades, bei dem am 1. Mai in Kaulsdorf ein Zug entgleist war, hatte die S-Bahn gegenüber dem Eisenbahn-Bundesamt verbindlich zugesagt, die Räder alle sieben Tage zu überprüfen. Bei einer Kontrolle stellten Mitarbeiter des Eisenbahn-Bundesamtes am Montag fest, dass diese Zusage nicht eingehalten worden war. Deshalb ordnete es sofort an, alle nicht in diesem Rhythmus geprüften Züge bis zur erfolgten Nachschau aus dem Verkehr zu nehmen, was der S-Bahn über Nacht in einer Hauruck-Aktion gelang. S-Bahn-Chef Tobias Heinemann gab zu, dass es hier „Missstände“ gegeben habe.

Auch für eine Information an die Fahrgäste reichte es nicht mehr rechtzeitig. Viele wurden von den neuerlichen Einschränkungen im Verkehr überrascht und erreichten zum Teil auch ihren Arbeitsplatz zu spät.

Zuvor hatte das Unternehmen bereits eine andere Zusage an die Aufsichtsbehörde nicht eingehalten. Die S-Bahn hatte nach Angaben des Amtes zugesagt, die Räder routinemäßig alle 1,2 Millionen Kilometer auszutauschen, was aber nicht immer gemacht worden war. kt

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