Der Tagesspiegel : Betonbett hält den Kaffee ruhig

CLAUS-DIETER STEYER

Hochbetrieb auf Baustelle für den mit Tempo 250 dahinbrausenden ICE nach HannoverVON CLAUS-DIETER STEYER RATHENOW. Selbst bei Tempo 250 soll im Intercity-Expreß von Berlin nach Hannover ab September nächsten Jahres der Kaffee in der Tasse bleiben.Diesen Maßstab haben sich die Bauleute der 264 Kilometer langen Trasse selbst gestellt.Damit die Erschütterungen so gering wie möglich bleiben, werden die Schienen in ein mehr als einen halben Meter dickes Betonbett gelegt.Der sonst übliche Schotteruntergrund gibt die Schwingungen vom Gleis zu stark ins Wageninnere weiter.Unaufhörlich rollen die Betonmischer derzeit ins Havelland zwischen Falkensee und Rathenow."Das frostfreie Wetter ist ein Glücksfall", sagt Michael Baufeld von der Planungsgesellschaft Bahnbau."Der leichte Rückstand hinter den strengen Zeitplänen kann so wieder aufgeholt werden." Deshalb habe die Geschäftsführung auch die geplante Arbeitsruhe zwischen Weihnachten und Neujahr aufgehoben. Ursprünglich sollten die ersten ICE nach Hannover schon im Mai 1997 fahren.Doch der lange Streit um den Schutz der vom Aussterben bedrohten Großtrappen stoppte die Arbeiten auf Brandenburger Gebiet.Jetzt haben die Tiere auf 18 Kilometer Länge bei Buschow Überflughilfen in Form hoher Wälle erhalten.Außerdem bremst dort der Zug auf 200 Kilometer pro Stunde ab.Dennoch schafft der ICE die Strecke von Berlin nach Hannover in einer Stunde und 46 Minuten, jetzt braucht die Bahn fast vier Stunden.Der "Fliegende Kölner" war in den 30er Jahren sogar schneller als der ICE, hatte aber nicht soviele Wagen zu ziehen.Zeitgleich mit der Hochgeschwindigkeitsstrecke werden die parallel liegenden Gleise für die Regionalbahn ertüchtigt, so daß ab September die Züge für die 60 Kilometer zwischen Berlin und Rathenow nur 30 Minuten brauchen.

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