Betrugsverfahren : Staatsanwalt ermittelt gegen Ermyas M.

Der in Potsdam nach einem Überfall lebensgefährlich verletzte Deutsch-Äthiopier Ermyas M. soll falsche Angaben über sein Einkommen gemacht haben. Ihm wird vorgeworfen, Spendengelder veruntreut und Prozesskostenhilfen zu Unrecht gefordert zu haben.

Potsdam Tagelang lag Ermyas M. im Koma. Die Umstände des Überfalls, die den Deutsch-Äthiopier am Ostersonntag 2006 in Potsdam fast das Leben kosteten, sind bis heute nicht geklärt. Der Fall sorgte damals bundesweit für Aufsehen. Aber jetzt hat Ermyas M. selbst Ärger mit der Strafjustiz. Die Potsdamer Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den 38-Jährigen, weil der Verdacht des versuchten Betruges besteht. Das bestätigte Behördensprecher Wilfried Lehmann am Freitagabend dem Tagesspiegel.

Es geht um Prozesskostenhilfe, die M. beantragt hatte. Er war damals Nebenkläger im Verfahren gegen zwei Tatverdächtige, die das Potsdamer Landgericht aber inzwischen frei gesprochen hat. Die Hilfe war nie gewährt worden, betonte Lehmann. Trotzdem gebe es Hinweise, dass M. in dem damaligen Antrag „möglicherweise falsche Angaben zu seinen finanziellen Verhältnissen gemacht hat.“ Prozesskostenhilfe werde aber nur bei nachgewiesener Bedürftigkeit gezahlt.

Spendengelder waren verschwunden

Auslöser der Ermittlungen ist ein öffentlich gewordener Bericht vom August über Querelen in dem von Ermyas M. im Oktober 2006 gegründeten Potsdamer Afrika-Hilfeverein Löwenherz e.V. Die Hintergründe waren unübersichtlich. Aus Enttäuschung über M. waren Mitglieder ausgetreten. In diesem Zusammenhang hatte die frühere Vereinsvorsitzende, Alexandra Klatt, Vorwürfe zum Finanzgebaren erhoben: M. habe die nach dem Überfall für ihn gesammelten Spendengelder – es geht um rund 50.000 Euro – entgegen seiner ursprünglichen Ankündigung nicht für den später gegründeten Verein verwendet.

Verpflichtet, so Juristen, war er dazu nicht. Für Klatt war aber auch unverständlich, dass M. überhaupt Prozesskostenhilfe beantragt hatte. In dem Antrag soll er angegeben haben, so gut wie kein Geld zu besitzen. M., der gestern selbst nicht erreichbar war, hatte eine zweckwidrige Verwendung der Spendengelder bestritten. Er wolle die angekündigten Afrika-Hilfeprojekte weiterführen, sagte er damals.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben