Der Tagesspiegel : Bewachtes Rechenzentrum: Der Nachrichten-Bunker der NVA

Claus-Dieter Steyer

In dem 15 Meter unter der Erde befindlichen Bunkerlabyrinth am Rande des Dorfes Garzau war einst das Rechenzentrum der Nationalen Volksarmee (NVA) untergebracht. Hinter dicken Eisentüren und mehreren Sicherheitsschleusen arbeiteten rund fünfzig Spezialisten. Zur Überwachung der 1975 fertiggestellten Anlage waren schätzungsweise weitere 150 Soldaten und Offiziere auf dem Gelände stationiert. Sie hatten allerdings keinen Zugang zum Rechenzentrum.

Dieses erinnert zu einem gewissen Teil an ein U-Boot. Erst hinter einem 200 Meter langen Tunnel liegt der Eingang zum eigentlichen Bunker. Hier sollten die Insassen selbst bei einem Atomschlag sicher sein. Auf den Fernschreibern und großen Rechnern liefen täglich alle Informationen über Truppenstärke, Ausrüstungen und Materialbedarf der einzelnen Dienststellen in der gesamten DDR zusammen. Sie wurden auf Magnetbändern gespeichert. 1992 wurden in dem Bunker Datenträger mit Aufstellungen sichergestellt, welcher Offizier der Hauptverwaltung Aufklärung (HVA) für welche Spionagevorgänge zuständig war. Der Datentransfer zum nicht weit entfernten Verteidigungsministerium in Strausberg erfolgte vor diesem Hintergrund zu DDR-Zeiten nicht per Kabel oder Funk, sondern durch einen Kurierfahrer. Die NVA-Spezialisten witterten wohl die Gefahr des Abhörens durch westliche Geheimdienste.

Funktionstüchtig sind heute noch die Dieselmotoren, die Luftfilteranlagen und der Wasserkreislauf. Sonst wäre ein Gang durch die geheimnisvoll anmutenden Räume gar nicht möglich. Willi Jennen, der das ehemalige Rechenzentrum vom Bundesvermögensamt gepachtet hat, bietet regelmäßig Führungen an. Aus alten Beständen hat er inzwischen Rechentechnik aus der ganzen DDR, Ausrüstungen von NVA-Soldaten sowie Material über Bunkeranlagen in ganz Europa zusammengetragen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben