Bewerberverhalten : Nervös?

Gute Argumente, falsche Gesten – schon ist der Auftritt verpatzt. Um im Jobinterview gut dazustehen, lohnt es sich, die Körpersprache zu trainieren. Was die Experten Püttjer und Schnierda raten.

Anspannung
Verzeihlich. Anspannungsgesten sehen Personaler den Bewerbern nach - wenn sie nicht als durchgängiges Verhaltensmuster zu erkennen...Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Ob Sie einem Gesprächspartner sympathisch oder unsympathisch erscheinen – darüber entscheidet häufig Ihre Körpersprache. Und diese Signale können Sie durchaus beeinflussen. In unseren Coachings gleichen wir mit Hilfe einer Videokamera die Selbst- und Fremdwahrnehmung ab und arbeiten drei wesentliche Ansatzpunkte heraus: Selbstblockaden durch körperliche Anspannung; Sympathiekiller durch Dominanzgesten; Selbstentwertung durch Verlegenheitsgesten.

Geraten Menschen unter Stress, verhalten sie sich anders als üblich. Unbestritten lösen Vorstellungsgespräche bei den meisten Menschen erheblichen Stress aus, der sich in Selbstblockaden äußern kann. Wenn sich Bewerber beidhändig am Stuhl festhalten und dazu noch mit den Beinen die Stuhlbeine umklammern, wirken sie überfordert. Auch laufen sie Gefahr, sich durch ihre eigene körperliche Anspannung zu blockieren. Körperliche Verkrampfungen interpretiert nämlich nicht nur der Gesprächspartner, sondern auch das eigene Gehirn als Stresssignal. Ein unangenehmer Nebeneffekt dieser Selbstblockaden ist häufig, dass man nicht mehr klar denken kann, das Gefühl hat, neben sich zu stehen und kein richtiges Wort mehr herausbekommt. Dies kann bis zum Blackout führen.

Anspannungsgesten sehen Personaler den Bewerbern nach, wenn sie nicht als durchgängiges Verhaltensmuster zu erkennen sind. Aggressive Dominanzgesten hingegen belasten das Gespräch erheblich. Immer wieder erleben wir, dass Bewerber mit dem Stift förmlich nach dem Interviewpartner stechen, unter dem Tisch mit den Händen eine Pistole bilden oder sich so breitbeinig im Stuhl fläzen, dass sich Erinnerungen an einen Besuch des Affenfelsens im Zoo einstellen. Konfrontation ist in Vorstellungsgesprächen aber schädlich. Bewerber, die den Eindruck vermitteln, dass es ihnen nur darum geht sich durchzusetzen, bringen sich um ihre Chancen.

Wenn im Vorstellungsgespräch heikle Punkte angesprochen werden, tauchen selbstabwertende Stress- und Verlegenheitsgesten auf: Zupfen am Ohrläppchen, nervöses Herumspielen am Schmuck, Kratzen am Hinterkopf. Das passiert besonders dann, wenn Bewerber mit Fragen konfrontiert werden, die sie für sich vor dem Gespräch noch nicht geklärt haben. Wird die Antwort auf die Frage „Warum wollen Sie Ihren momentanen Arbeitgeber verlassen?“ körpersprachlich durch einen Griff an den Hals oder durch die bekannte „Lügengeste“, nämlich die zum Mund geführte Hand begleitet, können schöne Worte auch nichts mehr retten. Dann wird der Bewerber nämlich als unglaubwürdig eingeschätzt.

Wir möchten aus Bewerbern keine Schauspieler machen. Auf keinen Fall sollen Sie sich einzelne Gesten antrainieren, um einen möglichst aalglatten Auftritt hinzulegen. Schließlich geht es nicht darum, etwas vorzuspielen, sondern Störsignale zu vermeiden. Wenn Sie in Gesprächen die eigene Anspannung wahrnehmen können, haben Sie bereits den ersten Schritt zur Veränderung geleistet. Trainieren Sie dann in einem zweiten Schritt, diese aufzulösen. Beispielsweise, indem Sie sich darauf eichen, eine zur Faust geballte Hand oder ineinander verknotete Beine wieder zu öffnen.

Bewährt hat sich eine Haltung, die wir „Neunzig-Grad-Winkel“ nennen: Zwischen Ober- und Unterschenkel befindet sich ebenso ein rechter Winkel wie zwischen Oberschenkel und Oberkörper. Setzen Sie sich aufrecht mit leicht geöffneten Beinen auf den Stuhl. Locker auf den Oberschenkeln aufgelegte Hände eröffnen Ihnen die Möglichkeit, die Argumente, die für Ihre Einstellung sprechen, durch Aufzählungs- oder Unterstreichungsgesten positiv zu verstärken.

Aggressive Körpersignale beruhen meist auf einem Mangel an Vorbereitung. Bewerber, die Brüche im Lebenslauf nicht schlüssig erklären können oder klassische Fragen nach Stärken oder Schwächen als „Personalerhumbug“ ansehen, sollten mental vielleicht einmal anders an Vorstellungsgespräche herangehen: Sehen Sie die Entscheidungsträger auf der Firmenseite als Neukunden, die von Ihren Leistungen erst einmal überzeugt werden wollen.

Werden Sie in Ihren Antworten konkret, indem Sie auf berufliche Erfolge, besondere Branchenkenntnisse oder spezielle Softwarekenntnisse hinweisen. Sie werden feststellen: Je besser Sie Ihr vor dem Gespräch ausgearbeitetes Profil vermitteln, desto souveräner wirkt dann Ihr Aufritt.

Abschließend gilt: Für Personaler ist der Gesamteindruck wichtig, den ein Bewerber hinterlässt. Dabei spielt die Körpersprache natürlich eine Rolle. Einzelne Fehltritte werden – wie auch bei den mündlichen Aussagen – verziehen. Häufen sich allerdings die Fehler, wird es für den Bewerber eng.

Christian Püttjer und Uwe Schnierda beraten seit 16 Jahren Ein- und Aufsteiger (www.karriereakademie.de) und schreiben Ratgeber zur beruflichen Erfolgsstrategie. Quelle: Junge Karriere.

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