Bewerbung : Auf dem Weg zur Uni

Wer in Berlin studieren will, muss einige Hürden überwinden. Sprachkenntnisse, Vorbereitungskurse, Eignungstests: Der Hochschuleinstieg sollte gut vorbereitet sein.

Lars Klaassen

Wer in Berlin studieren will, hat die Qual der Wahl: Drei große Universitäten, sieben Fachhochschulen, vier künstlerische Hochschulen und eine Reihe von privaten Hochschulen gibt es in der Stadt. 134 000 Studierende waren im vergangenen Jahr hier eingeschrieben. Doch nicht für jeden bringt das große Angebot auch gute Studienchancen: Die Nachfrage ist groß, die Berliner Plätze sind heiß begehrt – auch von Bewerbern außerhalb der Region. In den meisten Fächern gibt es mehr Interessenten als Plätze.

Für das vergangene Wintersemester etwa gab es an den staatlichen Hochschulen 105 000 Bewerber um ein Grundstudiumsplatz. Zu Semesterbeginn konnten aber nur 22 066 Erstsemester zugelassen werden.

An den Berliner Hochschulen gelten heute für fast alle Fächer Zulassungsbeschränkungen. Ohne form- und fristgerechte Bewerbungen geht nichts. Ganz gleich ob die Bewerber aus Berlin kommen oder von außerhalb.

Bei der Vergabe der Plätze sind oft zuerst die Bewerber mit den besten Abiturnoten dran. Darüber hinaus haben die Hochschulen seit dem Wintersemester 2005/2006 die Möglichkeit, 60 Prozent der Studienplätze nach eigenem Hochschulauswahlverfahren zu vergeben, bei dem etwa bestimmte Einzelnoten, Tests, praktische Erfahrung oder Auswahlgespräche mit der Abidurchschnittsnote kombiniert werden.

Für bestimmte Studiengänge ist die Konkurrenz um die Plätze besonders groß. Bewerber sollten eine Ablehnung einkalkulieren. Die Hochschulen empfehlen deshalb: Wer etwa ein beliebtes geistes- oder sozialwissenschaftliches Fach studieren möchte, aber keine guten Abinoten hat, sollte sich deshalb auch an den Hochschulen anderer Bundesländer umsehen. So steigen die Chancen, auf einen Platz im Wunschfach – wenn es vielleicht auch nicht mit dem Studienort der ersten Wahl klappt.

Deutlich bessere Karten als bei den Geisteswissenschaften hat man, wenn man sich an den regionalen Hochschulen um eine Zulassung zu natur- oder ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen bewirbt. In den vergangenen Jahren blieben in diesen Fächern mangels Bewerbungen sogar gelegentlich Plätze frei.

An der Technischen Universität (TU) Berlin zum Beispiel sind alle Studiengänge, die zu einem ersten berufsqualifizierenden Abschluss führen, im ersten Fachsemester mit einem Numerus Clausus belegt. Das heißt: Sie werden zu gleichen Teilen nach dem Abiturdurchschnitt (Qualifikation) und nach Wartezeit vergeben. Die Hochschule verzichtet auf spezielle Auswahlverfahren. Nur in den Bachelorstudiengängen Kommunikationsdesign, Modedesign, Konservierung und Restaurierung/Grabungstechnik werden Eignungstests durchgeführt. Wer durchfällt, muss zum nächsten Semester nochmal ran.

Die Fachhochschule für Technik und Wirtschaft (FHTW) Berlin dagegen arbeitet mit einem eigenen Auswahlverfahren: Im Studiengang Wirtschaftsrecht etwa wird ein so genannter Studierfähigkeitstest absolviert. Hier kann man Pluspunkte für die Bewerbung sammeln, die Teilnahme ist aber nicht obligatorisch für den Studienzugang. Informationen zu den Tests – Termine, Umfang, geforderte Arbeiten – gibt es auf den Internetseiten zu den Studiengängen oder bei den jeweiligen Studienfachberatungen.

Einige Studiengänge bieten auch Vorbereitungskurse an. Wer sich an der FHTW zum Beispiel für den Fachbereich Gestaltung einschreiben will, kann an Zeichenkursen teilnehmen oder lernen, wie man eine Bewerbungsmappe zusammenstellt. Wer sich an der FU für Mathematik bewirbt, kann an einem Vorbereitungskurs teilnehmen. Das Angebot soll einen Vorab-Eindruck vom Studium geben – und dazu führen, dass die hohe Anzahl von Studienabbrechern zurückgeht. (Start ist am 23. Juni. Informationen unter Email: deiser@math.fu-berlin.de)

Die Studienberatung der TU rät Bewerbern, sich noch während der Bewerbungszeit an der Hochschule der Wahl über das aktuelle Auswahlverfahren zu informieren. Es könne auch kurzfristig Änderungen geben.

Fast alle Hochschulen der Region stellen ihre Bewerbungsunterlagen inzwischen online. In der Regel wird der ausgedruckte Antrag für das Wintersemester zusammen mit einer beglaubigten Kopie des Abiturzeugnisses und einer (unbeglaubigten) Kopie des Personalausweises oder Reisepasses bis zum 15. Juli im Immatrikulationsbüro eingereicht. Für „Altabiturienten“ allerdings, die die Reifeprüfung schon länger in der Tasche haben, gelten oft andere Fristen.

Nicht nur die direkte Bewerbung führt zur Uni. In bundesweit zulassungsbeschränkten Studiengängen wenden sich die Bewerber an die Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS). Zulassungstests gibt es hier in den Fächern Veterinärmedizin (FU) und Pharmazie (HU). In den Studiengängen Human- sowie Zahnmedizin werden Auswahlgespräche durchgeführt. Einzelheiten über das Zulassungsverfahren in ZVS-Fächern finden sich auf den Internetseiten der ZVS und auf den Seiten der FU, der HU und der Charité. Für das Wintersemester gilt erstmalig die neue Vergabe-Verordnung der ZVS: So müssen die Anträge jetzt online gestellt werden. Ferner kann man die Reihenfolge der Ortswünsche für das Hochschulauswahlverfahren nicht mehr ändern.

Gänzlich anders werden die Plätze für künstlerische Studiengänge vergeben. Hier zählt ausschließlich die künstlerische Eignung für die Zulassung. Abiturnoten sind nicht relevant. Nachgewiesen wird die Eignung durch Arbeitsproben, die von Hochschullehrern begutachtet und bewertet werden. Wenn es nicht genügend künstlerisch begabte Bewerber gibt, bleiben in diesen Studiengängen Plätze auch unbesetzt.

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