Bilanz : Thomas Bach über Peking: "Absolute Weltklasse"

Sportstätten von „absoluter Weltklasse“, reibungslose Organisation, TV-Rekorde und „positive Effekte“ für Chinas Zukunft: Einen Tag vor der Schlussfeier hat IOC-Vize Thomas Bach den Peking-Spielen ein hervorragendes Zeugnis ausgestellt.

„Es waren brillante Spiele für die Athleten“, sagte er am Samstag in Chinas Hauptstadt, „diese Spiele werden eine Zäsur sein in der Entwicklung des Landes.“ Nach den kontroversen Diskussionen im Vorfeld gehe die olympische Bewegung „gestärkt aus den Spielen hervor.“ 85 verschiedene Nationen hätten Medaillen gewonnen, so viele wie nie zuvor. Selbst in der Menschenrechtssituation habe sich Einiges zum Guten bewegt, aber die Situation sei noch „unzureichend.“

Auch aus deutscher Sicht zog der DOSB-Präsident ein „sehr positives Fazit“. Nach dem sechsten Platz im Medaillenspiegel von Athen 2004 deute alles daraufhin, dass die deutsche Mannschaft einen Platz nach vorne rückt. „Das ist höchst erfreulich und erfolgreich. Mich haben unsere frischen Siegertypen beeindruckt, die nicht verkrampft auftreten und von Ehrgeiz zerfressen sind“, sagte der Chef des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB).

Umdenken in Deutschland gefordert

Gleichzeitig forderte er ein Umdenken in Deutschland: „Es wird hier sehr deutlich, dass so viele Ressourcen in den Leistungssport fließen wie nie zuvor“. Dieser Trend der wesentlich höheren Investitionen in anderen Ländern und die „dramatisch verschärfte Konkurrenzsituation“ müssten bei der Analyse der Spiele und der Zukunftsplanung berücksichtigt werden.

Mit den Erfolgen im Anti-Doping-Kampf zeigte sich der Spitzenfunktionär des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) sehr zufrieden. Die geringe Anzahl von nur sechs positiven Dopingfällen in Peking sei mit dem „engmaschigen Netz“ zu erklären, dass das IOC bei und vor den Spielen geknüpft habe. So werden es statt der angekündigten Rekordzahl von 4500 Doping-Tests am Ende mehr als 5000 sein. Alle Proben werden acht Jahre lang eingefroren. „Ich hoffe, dass der Abschreckungseffekt für die Athleten durch das Einfrieren groß genug ist„, betonte Bach. Nach Rücksprache mit der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) glaube er nicht, dass es im Moment ein Dopingmittel gebe, „das benutzt wird und uns nicht bekannt ist“.

Kritik an Ungers Verdächtigungen

Die Doping-Verdächtigungen des deutschen 100-Meter-Läufers Tobias Unger am dreifachen Sprint-Olympiasieger Usain Bolt (Jamaika) wies Bach unterdessen entschieden zurück. „Jeder ist gut beraten, nicht mit dem Finger auf andere zu zeigen, ohne Beweise“, kritisierte der Jurist aus Tauberbischofsheim. Die Fabel-Weltrekorde von Schwimm-Star Michael Phelps (USA) und Bolt seien von Ausnahme-Athleten aufgestellt worden. „Skepsis ja, Verdacht nein“, sagte Bach zu den überragenden Leistungen der beiden Top-Athleten. Die Rekordflut von bisher 42 Weltbestmarken sei auf die besondere Motivation durch Olympia zurückzuführen.

Auch die Steigerung der weltweiten TV-Einschaltquoten und Benutzerzahlen im Internet wurden im IOC mit großer Begeisterung aufgenommen. Auf dem europäischen Fernsehmarkt habe Olympia Wachstumsraten zwischen 20 und 30 Prozent ausgelöst, so Bach. Dazu kämen enorme Zuwächse im Internet. „Die Faszination der Spiele hat sich entfaltet. Es war auf jeden Fall richtig, die Spiele an Peking zu vergeben“, analysierte Bach weiter, „die Spiele haben einen positiven Effekt gebracht.“ (dpa)