Bilanzfälschungen : Erstes Geständnis im Schieder-Prozess

Nach millionenschweren Bilanzfälschungen beim insolventen Möbelriesen und ehemaligen Ikea-Zulieferer Schieder gibt es ein erstes Geständnis.

Schieder-SchwalenbergNach millionenschweren Bilanzfälschungen beim insolventen Möbelriesen ehemaligen Ikea-Zulieferer Schieder gibt es ein erstes Geständnis. Der 46 Jahre alte frühere Controlling-Leiter Andreas Hilbrink habe ein "weitgehendes Geständnis" abgelegt, sagte der Bielefelder Oberstaatsanwalt Klaus Pollmann. Der Haftbefehl sei gegen eine Kaution von 75.000 Euro in Form einer Bankbürgschaft außer Vollzug gesetzt. Dagegen bleiben Ex-Finanzchef Heinrich Griem (70), Schieder-Gründer Rolf Demuth (68) und der frühere Geschäftsführer S. J. (42) in Untersuchungshaft. Laut Pollmann sollen die Ex-Manager die Bilanzen stärker geschönt haben als angenommen.

Demnach wirft die Behörde den Männern vor, die Bilanz für das Geschäftsjahr 2004/2005 um 36 statt wie bisher angenommen um 34 Millionen Euro gefälscht zu haben. Im Geschäftsjahr 2005/2006 gehe es um 55 statt 34 Millionen Euro. Außerdem seien zwei Quartalsberichte von 2006 um 34 und 37 Millionen Euro geschönt. Auf diese Weise sollen die Manager Kredite von 283 Millionen Euro erschlichen haben. Der Haftbefehl für Griem sei neu gefasst und von vier auf sieben Straftaten - fünf Fälle von Kreditbetrug, zwei Bilanzfälschungen - erweitert worden. Griems Anwalt habe daher einen Haftprüfungsantrag für gegenstandslos erklärt.

"Es wird in irgendeiner Form weitergehen"

Nach Angaben des Detmolder Insolvenzrichters Klaus-Peter Busch stellten 70 deutsche Schieder-Tochterfirmen Insolvenzanträge. Als vorläufige Insolvenzverwalter seien sieben Anwälte der Kanzlei White & Case eingesetzt, diese sollten ein Gutachten zur Betriebsfortführung erstellen. "Es wird in irgendeiner Form weitergehen, davon bin ich überzeugt", sagte Busch. Zu Europas größtem Möbelhersteller Schieder zählen insgesamt 115 Gesellschaften. Das Unternehmen beschäftigt 11.000 Mitarbeiter, 1300 davon in Deutschland.

Der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Detmold, Reinhard Seiler, hatte vor einer drohenden Zerschlagung des Unternehmens gewarnt. "Bezogen auf die deutschen Gesellschaften sieht die Zukunft nicht gut aus", sagte er. Mitte Juni hatte die Holding Insolvenz angemeldet. (mit dpa)