Bildung : 31 Schulen dürfen Begabungsklassen einrichten

31 Schulen können im kommenden Schuljahr so genannte Leistungs- und Begabungsklassen einrichten. Damit werde die maximal zulässige Zahl von 35 Standorten vorerst nicht erreicht, so Bildungsminister Rupprecht.

Potsdam - Insgesamt hatten 46 Schulen Konzepte eingereicht. Holger Rupprecht (SPD) betonte, die jetzt nicht berücksichtigten Schulen könnten ihre Strategie ausbauen und in den kommenden Jahren nachrücken. CDU-Bildungsexperte Ingo Senftleben begrüßte die Einrichtung der Klassen. Damit werde eine Eliten-Bildung möglich. Kritik kam dagegen von der Linkspartei und den Grünen.

Leistungs- und Begabungsklassen sind im neuen Schulgesetz vorgesehen, das im Dezember vom Landtag verabschiedet werden und 2007 in Kraft treten soll. In den Klassen an Gymnasien oder Gesamtschulen sollen besonders begabte Schüler ab Klasse fünf unterrichtet werden. Normalerweise beginnt die weiterführende Schule in Brandenburg erst ab Klasse sieben.

Angebot nicht flächendeckend

Das Angebot kann nach Angaben von Rupprecht 2007 noch nicht flächendeckend unterbreitet werden. Die Landkreise Prignitz, Oberhavel und Uckermark werden keine Begabungsklassen einrichten. Aus dem Kreis Oberhavel lagen zwar zwei Bewerbungen vor, doch lehnte der Kreistag solche Klassen ab. Der Landkreis Prignitz hat sich für den Erhalt seiner drei jeweils zweizügigen Gymnasien entschieden. Voraussetzung für die Einrichtung von Begabungsklassen ist aber die Dreizügigkeit der Schule. Der Landkreis Uckermark will erst eine mögliche Stabilisierung der Schülerzahlen abwarten.

Die 31 ausgewählten Schulen erhalten insgesamt 96 Lehrerstellen, um den zusätzlichen Unterrichtsbedarf absichern zu können. Dafür bringt das Ministerium jährlich rund 4,5 Millionen Euro auf. Die Schulen dürfen die Klasse aber nur einrichten, wenn sich dafür bis März 2007 mindestens 25 Schüler angemeldet haben. Die Ausrichtung der Schulen ist verschieden und reicht von einer Spezialisierung auf Mathematik und Naturwissenschaften über musische Angebote bis zu einer breit angelegten individuellen Förderung der Kinder.

Chancengerechtigkeit muss gewährleistet sein

Senftleben betonte, zunächst könnten 30 Prozent der Schulen solche Begabungsklassen eröffnen. Künftig müsse alles daran gesetzt werden, dass das Angebot flächendeckend unterbreitet werden kann. Nur so könne Chancengerechtigkeit gewährleistet werden.

Linkspartei-Bildungsexpertin Gerrit Große bekräftigte ihre Ablehnung gegenüber den Begabungsklassen. So werde noch früher selektiert, das bedeute auch soziale Selektion. Zudem werde mittelfristig die sechsjährige Grundschule ausgehöhlt. Schüler sollten jedoch so lange wie möglich gemeinsam lernen. Außerdem sei das Auswahlverfahren gelaufen bevor das Gesetz dazu beschlossen ist.

Grünen-Landeschefin Katrin Vohland kritisierte die Begabungsklassen als bildungspolitischen Rückschritt. Statt aus den Pisa-Studien Konsequenzen zu ziehen und ein möglichst langes gemeinsames Lernen sowie eine individuelle Förderung der Schüler zu ermöglichen, setze die Landesregierung auf eine frühzeitige Auslese. Sie verschlechtere damit die Chancengleichheit und gefährde die sechsjährige Grundschule. (Von Susann Fischer, ddp)

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