Bildung : Schwache Kerle

Bildungspolitiker wollen Jungen besser fördern – ihnen fällt Schule schwerer als Mädchen: Sie gelten schnell als frech, als laut und faul. Doch Jungen sind an Brandenburgs Schulen weiterhin benachteiligt.

Thorsten Metzner

Als dies bereits im September 2007 ein offizieller Bericht des Bildungsministeriums erstmals offenbarte, damals ein Novum in Deutschland, versprach SPD-Bildungsminister Holger Rupprecht im Landtag eine bessere Förderung von Jungen. Fast zwei Jahre danach kommt eine Studie zum Ergebnis, dass Jungs in der Mark immer noch häufiger als Mädchen die Schulen ohne Abschluss verlassen, auf Förderschulen gehen oder schon bei der Einschulung zurückgestellt werden.  Prompt gibt es in der SPD/CDU-Regierungskoalition darüber offenen Streit. Der CDU-Bildungsexperte Ingo Senftleben warf Rupprecht am Freitag Untätigkeit nach den damaligen Ankündigungen vor – und ging damit weiter als die Links-Opposition. „Das SPD-geführte Bildungsministerium hat zum Nachteil der Jungen nicht reagiert“, erklärte Senftleben.

Rupprecht und die SPD wiesen die Vorwürfe zurück. Dies sei eine „Unverschämtheit“, sagte Ministeriumssprecher Stephan Breiding. Man habe gerade in einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage – von Senftleben selbst – über die eingeleiteten Schritte informiert, etwa bei der Ausbildung und Fortbildung von Lehrern oder von 18 Kita-Erziehern in einem Lausitzer Modellprojekt, das auf andere Regionen ausgeweitet würde. „Aber die Lesekompetenz von Herrn Senftleben lässt offenbar wegen des Wahlkampfes neuerdings zu wünschen übrig“, so Breiding. Brandenburg habe mit dem Jungen-Bericht als erstes Bundesland überhaupt das Problem offen angepackt. Und die SPD-Vizefraktionschefin und Bildungsexpertin Klara Geywitz sagte: „Das Problem ist erkannt. Wer seriös Bildungspolitik macht, weiß: Man kann es nicht über Nacht lösen.“ Von der plakativen Forderung der Union, an jeder Brandenburger Schule einen Jungenbeauftragten einzurichten, halten SPD, Linke und Bildungsministerium jedenfalls nichts. „Ob der einzige Lehrer an der Grundschule, meist ist es der Sportlehrer, dann auch noch Jungenbeauftragter ist, löst das Problem nicht“, sagte Geywitz. Wichtiger sei, dass Brandenburg seine Anstrengungen verstärkt habe, Erzieher für Kitas und Grundschulen zu gewinnen. „Die Jungs brauchen männliche Vorbilder.“ 

An den auch in der jüngsten Länderstudie des „Aktionsrates Bildung“ ermittelten Fakten, dass Jungen in Brandenburg wie auch in anderen Ländern gegenüber Mädchen häufiger zurückbleiben, kommt niemand mehr vorbei. So waren unter 2536 Kindern, deren Einschulung 2007/2008 zurückgestellt wurde, 64 Prozent Jungen – ebenso sieht es bei Sitzenbleibern aus. Von 4319 „Wiederholern“ waren 2632 Jungen (60,9 Prozent). Und von 2248 Schulabgängern ohne Abschluss waren 65 Prozent Jungs. SPD-Fraktionsvize Geywitz verwies auf die laufenden Bildungsreformen, die auf eine individuellere Förderung Schwächerer an den Schulen zielen. Dort hinkt Brandenburg, obgleich es sich in der jüngsten Pisa-Studie gegenüber anderen Ländern ins Mittelfeld vorgearbeitet hat, weiter hinterher. Thorsten Metzner

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