Bildungspolitik : Bundestag beschließt Bafög-Erhöhung

Die 818.000 Bafög-Empfänger in Deutschland erhalten ab Herbst 2008 mehr Geld. Die Bedarfssätze für Schüler und Studenten steigen um zehn Prozent - es ist die erste Bafög-Erhöhung seit sechs Jahren.

BerlinDer Bundestag verabschiedete mit großer Mehrheit die Anhebung der Bedarfssätze. Der Höchstsatz für Studenten steigt von derzeit 585 Euro monatlich auf 643,50 Euro. Gleichzeitig steigen die Elternfreibeträge um acht Prozent, wodurch 100.000 junge Leute zusätzlich unterstützt werden, wie Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) sagte. Demnach bekommt künftig fast jeder dritte Antragsberechtigte Bafög. Im vergangenen Jahr erhielten rund 500.000 Studenten und 200.000 Schüler Unterstützung.

Die Bafög-Erhöhung wurde mit den Stimmen der Regierungskoalition aus CDU und SPD sowie der oppositionellen FDP verabschiedet. Die Grünen enthielten sich mehrheitlich, die Linksfraktion stimmte gegen das Gesetz. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) warnte nochmals vor einem anhaltenden Mangel an Ingenieuren und Naturwissenschaftlern. Inzwischen fehlten in diesen Bereichen 50.000 Fachkräfte in Deutschland, das sei ein ganzer Studienjahrgang. Die Bafög-Erhöhung sei ein wichtiger Anreiz, um mehr Studenten an die Hochschulen zu locken, erklärte Steinbrück.

Auch Studium im Ausland wird gefördert

Eltern von Studenten erhalten künftig einen Zuschlag von bis zu 113 Euro monatlich für die Betreuung von Kindern, die jünger als zehn Jahre alt sind. Bafög-Empfänger dürfen statt wie bisher 250 Euro nun 400 Euro hinzuverdienen, ohne Abzüge vom Bafög zu fürchten. Förderberechtigt sind künftig auch Studenten, die ihr Studium von Anfang an im Ausland absolvieren.

Gleichzeitig müssen die Schüler und Studenten in diesem Jahr nochmals eine Nullrunde hinnehmen. Schavan sagte, die Bafög-Erhöhung komme dennoch zum richtigen Zeitpunkt, weil die Zahl der Studenten in diesem Jahr erstmals sinke. "Es ist das Signal dafür, dass wir ihre Unterstützung wichtig nehmen", fügte die Ministerin hinzu. Deutschland habe im internationalen Vergleich zu wenige Studenten, dies müsse sich ändern.

Die bildungspolitische Sprecherin der Linksfraktion, Cornelia Hirsch, kritisierte, dass bis 2010 keine neuen Bafög-Erhöhungen vorgesehen seien. Die Reform komme zu spät und sei nur eine "Reparatur" der begangenen Fehler. Der Hochschulexperte der Grünen, Kai Gehring, nannte die Verschiebung der Bafög-Erhöhung um ein Jahr "halbherzig". (mit AFP/ddp)