Bildungspolitik : GEW startet von Kultusministern abgelehnte Lehrerstudie

Die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Marianne Demmer kritisiert die Kultusministerkonferenz. Es sei ignorant, an dem internationalen Vergleich der OECD nicht teilzunehmen. Welche Erkenntnisse die Lehrergewerkschaft sich von dem internationalen Vergleich erwartet, blieb jedoch unklar.

BerlinDie von den Kultusministern abgelehnte internationale Lehrerstudie Talis ist am Wochenende von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) für Deutschland in eigener Regie gestartet worden. Mit der Studie will die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) die Arbeitsbedingungen und Auffassungen von Lehrern und Schulleitungen in 23 Industrienationen untersuchen.

Alle interessierten Pädagogen in Deutschland - auch Nicht-Mitglieder der Bildungsgewerkschaft - könnten sich jetzt im Internet an Talis beteiligen, sagte die GEW-Vizevorsitzende Marianne Demmer am Sonntag. Die OECD ist auch Veranstalter des internationalen Pisa-Schultests. Demmer machte zugleich den Kultusministern schwere Vorwürfe und warf ihnen "Ignoranz" vor. Sie hätten offensichtlich an einem Vergleich der Situation deutscher Pädagogen mit den Arbeitsverhältnissen und Einschätzungen ihrer Kollegen in anderen Staaten kein Interesse.

Kultusministerkonferenz: Keine neuen Erkenntniss zu erwarten

Die Kultusminister hatten die deutsche Beteiligung an dem internationalen Projekt mit der Begründung abgelehnt, dass keine neuen Erkenntnisse zu erwarten seien. Die GEW habe sich daraufhin bei der OECD erfolgreich bemüht, die Fragebögen mit deren Einverständnis auch in Deutschland einsetzen zu dürfen. Wissenschaftler würden im Auftrag der GEW die Ergebnisse auswerten und zeitgleich mit der internationalen Studie in der zweiten Jahreshälfte 2009 veröffentlichen.

Die GEW informierte mit einem Brief die Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK), Annegret Kramp-Karrenbauer (Saarland/CDU), über ihre Vorgehen. Die Ablehnung der offiziellen Teilnahme Deutschlands an dem Talis-Projekt sei "eine inakzeptable kurzsichtige Fehlentscheidung" gewesen, schreibt Demmer darin. Die GEW wolle, dass sich auch in Deutschland Lehrer und Schulleitungen "an der internationalen Debatte um die Entwicklung ihrer Profession beteiligen können. Wir wollen uns durch Provinzialität international nicht isolieren lassen", heißt es in dem Brief. Deshalb habe sich die Bildungsgewerkschaft "nun zu dieser Form der selbst organisierten Teilnahme an Talis entschlossen." Die internationale Abkürzung Talis steht für Teaching and Learning International Survey (Internationale Bestandaufnahme zu Lehre und Lernen). (ml/dpa)