Binnenhochwasser : So viel Regen wie seit 160 Jahren nicht

In Brandenburg stehen Felder, Straßen und Keller unter Wasser. In einigen Landkreisen ist mehr als die Hälfte aller Ackerflächen überschwemmt. Ein Notfalltelefon wurde eingerichtet.

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Große Flächen Brandenburgs stehen unter Wasser.
Große Flächen Brandenburgs stehen unter Wasser.Foto: dpa

Große Landstriche Brandenburgs bieten derzeit ein völlig neues Landschaftsbild: Wasser steht auf Feldern und Wiesen, in Straßen und Kellern und selbst in Wäldern. Besonders betroffen vom Dauerregen sind das Oderbruch im Nordosten, die Lausitz zwischen Unterspreewald und Neiße sowie die gerade das letzte Hochwasser überstandenen Regionen entlang der Schwarzen Elster zwischen Bad Liebenwerda und Herzberg. Nach Angaben der Bauernverbände sind allein in den südlich Berlins gelegenen Kreisen Dahme-Spreewald, Oberspreewald-Lausitz und Spree-Neiße zwischen 50 und 60 Prozent aller Ackerflächen überschwemmt. Teilweise konnten hier sogar einige Mais- und Getreidefelder noch nicht abgeerntet werden, weil die Maschinen in der Schlammwüste nicht vorankommen.

Ausgelöst wurde die ungewöhnliche Situation im Unterschied zum September aber nicht durch die über ihre Ufer getretenen Flüsse und Bäche. Diesmal sind die extremen Niederschlagsmengen Schuld, die auf den mittlerweile völlig durchnässten Böden nicht mehr versickern können. Die Zahlen sprechen für sich. Nach Angaben des Bauernverbandes in Südbrandenburg sind in diesem Jahr bereits 800 Liter Regen auf einen Quadratmeter gefallen. „Der Jahresdurchschnitt liegt aber lediglich bei 574 Litern pro Quadratmetern“, heißt es. Die Wetterstation in Cottbus hat solche Regenmengen das letzte Mal im Jahre 1945 gemessen. Vor allem rund um Beeskow müssen mehrere Bewohner ihre Häuser mit Sandsäcken vor einer Überflutung schützen. Die Spree hat die zweite von vier Hochwasserstufen erreicht.

So wie hier hat sich auch im Oderbruch das Grundwasser längst durch die Kellerwände seinen Weg gesucht. Einige Familien kämpfen rund um Kietz-Küstrin mit Pumpen gegen die braune Brühe. Aber die Meinungen über den Sinn dieser teuren Aktionen sind geteilt. Leer gepumpte Keller könnten dem Druck des Grundwassers nicht standhalten, so dass eine Unterhöhlung der Grundmauern nicht auszuschließen sein. Zusätzliche Sorgen löst die Wetterprognose aus. Bei niedrigen Temperaturen trocknet nichts mehr ab. Der Landkreis hat für alle Fälle ein Notfalltelefon für Betroffene des „Binnenhochwassers“ geschaltet. Im Oderbruch hat es seit Beginn der Wetteraufzeichnungen vor 160 noch nie so viel Regen innerhalb eines Jahres gegeben.

Die Landesregierung beschloss gestern den Aufbau eines „Koordinierungszentrums für Krisen“, um auf Hochwasser schnell reagieren zu können. Bei der aktuellen Entschädigung von Bauern hofft das Land auf Mittel der EU und des Bundes.

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