Birma : Mehr als 27.000 Tote durch "Nargis"

Der Wirbelsturm hat in Birma weit mehr Menschenleben gefordert als bisher angenommen. Die Behörden des Landes korrigierten die Zahl der Opfer nach oben - jetzt sind es bereits 27.000 Tote. Die birmanische Militärregierung gerät wegen ihres schlechten Krisenmanagements unter Beschuss.

Birma
In Birma sind zahllose Häuser und Tempel zerstört. -Foto: AFP

RangunDurch den Wirbelsturm "Nargis" sind in Birma nach jüngsten staatlichen Angaben mehr als 27.000 Menschen ums Leben gekommen. Weitere 41.000 Menschen werden vermisst. Zuvor hatten die Behörden von rund 10.000 Toten insgesamt gesprochen. Der Taifun war vom Golf von Bengalen aufgezogen und am Freitagabend im Irawadi-Flussdelta aufs Land getroffen. Neben dem Delta war die Hauptstadt Rangun besonders von dem Zyklon getroffen worden.

Die Verwüstungen von "Nargis" könnten nach Angaben einer Hilfsorganisation schlimmer sein als nach dem Tsunami im Indischen Ozean zu Weihnachten 2004. Die betroffenen Regionen seien übersät von Leichnamen, erklärte World Vision nach einem Hubschrauberflug über Birma. Damals starben insgesamt 220.000 Menschen.

Junta in der Kritik

Die birmanische Militärregierung gerät wegen ihres schlechten Krisenmanagements zunehmend in die Kritik. Obwohl die Behörden von der Bedrohung gewusst hätten, hätten die staatlichen birmanischen Medien keine rechtzeitige Warnung ausgegeben, sagte die US-First Lady Laura Bush.

Viele Menschen in dem südostasiatischen Land hätten erst von ausländischen Sendern wie Radio Free Asia und Voice of America von den Sturmwarnungen erfahren, sagte Bush in Washington. "Die Reaktion auf den Zyklon ist die jüngste Beispiel für die Versäumnisse der Militärjunta, auf die Grundbedürfnisse ihres Volkes einzugehen." Die USA hatten sich zuletzt intensiv für internationale Sanktionen gegen die Regierung in Birma eingesetzt, die sie der Menschenrechtsmissachtung beschuldigen.

Chaotische Zustände

Der ehemalige schwedische Minister Jens Orback, der im Auftrag des Olof-Palme-Instituts die politischen Bedingungen in Birma vor einem für Samstag geplanten Verfassungs-Referendum untersucht hatte, berichtete bei seiner Rückkehr von chaotischen Zuständen. Selbst in Rangun habe es bis zu zwölf Stunden gedauert, bevor die Behörden reagiert hätten, sagte er.

Die staatlichen Medien warnten in Birma unterdessen vor der Ausbreitung von Krankheiten. Sie forderten die Bürger dazu auf, nur abgekochtes Wasser zu trinken und Insekten von Nahrungsmitteln fernzuhalten. "Essen Sie frische Früchte, benutzen sie saubere Toiletten und schmeißen sie Müll systematisch weg", hieß es im Radio.

Uno kündigt Hilfe an

Die Vereinten Nationen und Regierung in der ganzen Welt versprachen unterdessen Hilfe in Millionenhöhe für die Sturmopfer in einem der ärmsten Länder der Welt. Die Uno werde tun, was notwendig sei, um dringend benötigte humanitäre Hilfe bereitzustellen, sagte Generalsekretär Ban. Die Vereinten Nationen schickten ein Expertenteam von Thailand nach Birma, um den anlaufenden Großeinsatz zu koordinieren. Das Welternährungsprogramm (WFP) werde zudem in Rangun 500 Tonnen Lebensmittel bereitstellen. Birmas UN-Botschafter Kiaw Tint Swe bestätigte nach Angaben der Uno die Bitte seines Landes nach internationaler Hilfe.

Deutschland stellte zunächst 500.000 Euro als Soforthilfe für die "Nargis"-Opfer zur Verfügung, die EU-Kommission zwei Millionen Euro. "Unser tiefes Beileid gilt den Familien der vielen Getöteten", erklärte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD). Die USA boten 250.000 Dollar über ihre Botschaft in Rangun an. Weitere Hilfszusagen kamen unter anderem aus Großbritannien, Australien, Japan, Thailand und Indien.

"Nargis" war vom Golf von Bengalen aufgezogen und am Freitagabend im Irawadi-Delta auf Land getroffen. Die Böen erreichten Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 240 Stundenkilometern. Tausende Gebäude wurden zerstört, unzählige Bäume entwurzelt und Stromleitungen zerrissen. Der Flughafen von Rangun blieb geschlossen. Die Regierung erklärte fünf Regionen zu Katastrophengebieten: Neben Rangun und Irawadi waren dies Bago sowie die Bundesstaaten Mon und Karen. (feh/AFP)