Birma : Suu Kyi trifft Juntavertreter

Die Nachricht verbreitet sich in Birma wie ein Lauffeuer: Die Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi ist überraschend mit Vertretern des Militärregimes zusammengetroffen.

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Aung San Suu Kyi -Foto: AFP

RangunDie 62-Jährige, die als politische Gefangene seit Jahren unter Hausarrest festgehalten wird, traf sich mit dem Arbeitsminister U Aung Kyi, verlautete aus Sicherheitskreisen in Rangun.

Diplomaten sahen einen Autokonvoi vor Suu Kyis Haus. Die Politikerin wurde nach Angaben von Augenzeugen in das nahe gelegene Sein Le Kantha-Gästehaus der Regierung gefahren. Über den Inhalt der Gespräche wurde nichts bekannt. Die Junta hatte auf internationalen Druck hin einen Dialog in Aussicht gestellt und den Arbeitsminister als Verbindungsmann ernannt. Sie knüpfte aber Bedingungen an Gespräche, unter anderem dass Suu Kyi ihre Unterstützung für internationale Sanktionen gegen Birma aufgibt.

Vom Westen geforderte Sanktionen werden abgeblockt

China, Russland und Indien betonten indes vier Wochen nach der blutigen Niederschlagung der friedlichen Proteste erneut ihre Ablehnung weiterer Sanktionen gegen Birma. Die Außenminister der drei Länder und Indiens betonten bei einem Treffen in der nordchinesischen Stadt Harbin, dass die UN-Vermittlungsmission unterstützt werden müsse. Druck auf die birmanische Führung könne "die Situation noch verschlimmern und eine neue Krise auslösen", sagte der russische Außenminister Sergej Lawrow nach Medienberichten.

Chinas Staatsrat Tang Jiaxuan, der noch über Außenminister Yang Jiechi steht, sagte bei seinem Treffen mit dem UN-Birma-Gesandten Ibrahim Gambari, der Konflikt könne nur durch eigene Anstrengungen und Dialog zwischen dem Volk und der Regierung gelöst werden. Gambari will vermutlich in der ersten Novemberwoche wieder nach Birma reisen. Er hob die wichtige Rolle hervor, die China als großer Nachbar und enger Verbündeter Birmas spiele.

Weiter Unklarheit über Zahl der Opfer bei Protesten

Der UN-Menschenrechtsbeauftragte Paulo Sergio Pinheiro kündigte unterdessen in New York an, dass er bei seinem Besuch in Birma vollen Zugang zu den Gefängnissen verlangen werde. Er beurteilt die Lage im Land als weiterhin beunruhigend. "Ich glaube nicht, dass die Repression ... aufgehört hat", sagte er. Die Menschen seien in Angst. Er will bei seiner Reise die Zahl und den Verbleib der verschwundenen Menschen klären und Zeugenberichte über die Vorfälle sammeln. Es gebe Berichte, dass 30 bis 40 Mönche und 50 bis 70 Zivilisten getötet worden seien. Eine Internetseite liste sogar fast 800 Menschen auf, die verhaftet oder verschwunden seien. Die Junta spricht bislang von nur zehn Toten. Der Religionsminister sagte heute, kein Mönch sei in der Haft umgekommen. Allerdings zeigten Dissidenten Fotos von Toten und Misshandelten in den für Mönche üblichen safranroten Roben. (mit dpa)