Birma : Wieder Schüsse in Rangun

In Birma gehen Einsatzkräfte der Militärregierung erneut gewaltsam gegen Demonstranten vor. In der Hauptstadt Rangun fallen Schüsse. In der Stadt Mandalay sollen aber auch Soldaten inzwischen den Gehorsam verweigern.

RangunIm Zentrum von Rangun gehen Polizisten mit Knüppeln auf rund 10.000 Demonstranten los, wie Augenzeugen berichten. In einigen Berichten ist auch von Schüssen die Rede. Unklar ist bislang, ob es sich um Warnschüsse handelt oder ob die Sicherheitskräfte wie in den Vortagen auch in die Menge feuern, wie der britische Botschafter Mark Canning im US-Nachrichtensender CNN berichtete.

Die Demonstranten trafen zuvor in mehreren Gruppen in der Nähe der Sule-Pagode ein. Sie klatschten in die Hände und riefen Parolen, während sie versuchten, sich der Pagode zu nähern. Die massive Präsenz der Sicherheitskräfte, die das Zentrum praktisch gesperrt hatten, hinderten sie jedoch daran, sich der Pagode zu nähern.

Der oppositionelle Rundfunksender Voice of Burma berichtete unterdessen, in Birmas zweitgrößter Stadt Mandalay hätten Soldaten der 33. Division den Gehorsam verweigert und nicht wie angeordnet auf Mönche und andere Demonstranten geschossen.

Opferzahl deutlich höher?

Beim gewaltsamen Vorgehen der Militärs gegen die Proteste wurden seit Mittwoch nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP mindestens 13 Menschen getötet, die birmanische Regierung spricht von neun Toten. Der britische Rundfunksender BBC meldete unter Berufung auf Diplomaten allerdings, dass die Zahl der getöteten Demonstranten wesentlich höher sei als von den Behörden Birmas angegeben. Der australische Botschafter in Birma, Bob Davis, sagte dem Rundfunksender ABC, Augenzeugen hätten australischen Botschaftsmitarbeitern gesagt, nach dem gewaltsamen Vorgehen der Sicherheitskräfte in Rangun seien "wesentlich mehr" Tote weggebracht worden. Die tatsächliche Opferzahl belaufe sich auf ein "Vielfaches".

Am Morgen wurden bei einem Sturm auf ein weiteres Kloster buddhistischer Mönche in einer nördlichen Vorstadt Ranguns vier Geistliche von den Militärs abgeführt. Anders als bei vorangegangenen Razzien sollen die Mönche aber nicht geschlagen worden sein, berichteten Zeugen. Allerdings sei es zwischen den Einsatzkräften und Anhängern der Mönche zu einem Handgemenge gekommen. In der Nacht zum Donnerstag hatten Soldaten und Polizisten zwei Klöster gestürmt und zahlreiche Mönche verprügelt und festgenommen. Die Mönche führten die Bewegung seit zwölf Tagen mit Protestmärschen an.

Klöster zu Sperrzonen erklärt

Das Militärregime in Birma hat unterdessen fünf buddhistische Klöster abgeriegelt. Die Mönche in den betroffenen Einrichtungen werden als Rädelsführer bei den seit rund zwei Wochen anhaltenden Protestkundgebungen betrachtet. Die birmanische Regierung verlauten, dass sie die Mönche jetzt unter ihrer Kontrolle habe und sich nunmehr den Zivilpersonen unter den Demonstranten zuwenden werde, meldete die Nachrichtenagentur AP.

Die Militärführung scheint zudem am Vormittag die Internetverbindungen des Landes gekappt zu haben. Ein Sprecher der Telekom versicherte, ein Unterwasserkabel sei beschädigt. Das Internet ist in dem streng kontrollierten Land einer der Kommunikationswege nach außen. Die wenigen privaten Pressetitel des Landes setzten heute ihr Erscheinen aus. Es handelt sich um Wochenzeitungen. Die Maßnahme sei "freiwillig", sagte ein Sprecher der Gruppe Eleven Media. Die einzige Tageszeitung des Landes "New Light of Myanmar" wird von den Militärs kontrolliert. Auch beim Vorgehen gegen die Demonstranten konzentrierten die Einsatzkräfte sich auf moderne Kommunikationsmittel: Sie zerstören alle Mobiltelefone und Digitalkameras, derer sie habhaft werden können.

UN-Beauftragter soll Lage entschärfen

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon rief inzwischen in einer Erklärung in New York die herrschende Militärjunta zu einem "konstruktiven Dialog" mit dem UN-Sonderbeauftragten Ibrahim Gambari auf. Die Machthaber sollten den Weg zu einer "friedlichen" und "nationalen Aussöhnung" beschreiten. Gambari soll bei seinem am Samstag beginnenden Besuch in Birma die Lage entschärfen.

Das Weiße Haus verlangt unterdessen von der Militärjunta, Gambari müsse alle Konfliktparteien treffen können. Dazu zählten auch die religiösen Führer der Buddhisten, Verhaftete und die seit Jahren unter Hausarrest stehende Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi.

Bush appelliert an China

US-Präsident George W. Bush forderte China auf, mit dem Ziel einer friedlichen Lösung in Birma seinen Einfluss auf die dort herrschende Militärjunta geltend zu machen. Bush habe dem chinesischen Außenminister Yang Jiechi bei einem Treffen am Donnerstag im Weißen Haus überdies gedankt, die Entsendung Gambaris nach Birma unterstützt zu haben. China unterhält zu seinem Nachbarland Birma enge wirtschaftliche und politische Kontakte. (mit dpa/AFP)