Der Tagesspiegel : Blinde Passagiere willkommen Segelflüge für Sehbehinderte

Corinna Niebuhr

Müncheberg - Ein kräftiger Ruck, dann holpert der Segelflieger am Seil der Zugwinde über die Wiese. Gras wischt unter dem Plastikboden des Flugzeugs vorbei. Dann hebt es ab. Drinnen sitzt Susanne Klausing die Hände unter die Oberschenkel geklemmt. Diese Haltung ist für Fluggäste Pflicht. Sie sollen sich beim Start nicht aus Versehen am Bremshebel festhalten. Das wäre fatal, ein Überschlag leicht möglich. Das Seil klinkt erst bei rund 400 Meter Höhe aus. Da saust der kleine Doppelsitzer schon mit Tempo 100 Richtung Wolken.

Susanne Klausing, 38 Jahre, blind, ist selig. Sie lauscht den Windgeräuschen. Als das elektrische Variometer piept, erklärt ihr der Pilot Joachim Maleschka, was das bedeutet: „Das Piepsen zeigt uns an, dass wir an Höhe gewinnen.“ Segelfliegen für Blinde – das war eine Idee von Hubertus Gollnow, einem passionierten Drachen- und Segelflieger. Vor Jahren wollte einmal ein blinder Mann bei ihm als Fluggast mit an Bord, und trotz anfänglicher Skepsis willigte Gollnow ein.

Danach luden er und die Segelflieger vom Club Müncheberg-Eggersdorf im vergangenen Spätsommer erstmals zum Blinden-Flugtag. Hubertus Gollnow führte die fünf Passagiere herum und erklärte ausführlich das ganze Fluggelände. Die Gäste konnten auch die Flieger in Ruhe abtasten, bevor es in die Lüfte ging. Die Anfahrt organisierte der Berliner Blindenverband. In diesem Jahr nun soll es rund fünf Blinden-Flugtage auf dem Flugplatz Müncheberg-Eggersdorf geben. Die genauen Daten stehen noch nicht fest, Interessierte können sich aber bereits anmelden. Corinna Niebuhr

Informationen über die Blinden-Flugtage bei Hubertus Gollnow unter Telefon 0162 / 959 80 08 oder beim Berliner Blindenverband unter 030 / 63 90 53 01. Ein Gastflug kostet 15 Euro. Informationen über den Fliegerclub Müncheberg-Eggersdorf im Internet unter www.segelflug-eggersdorf.de

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