Der Tagesspiegel : Blüten der Vergangenheit

Der Landkreis Oder-Spree überlässt der Berliner FU eine einzigartige Pflanzensammlung – kostenlos

Andreas Wilhelm

Bernau - Ein Schatz schlummert auf dem Dachboden der Burg Beeskow: eine botanische Sammlung. Sie gehört dem Landkreis Oder-Spree, der damit aber nichts anfangen kann. Rund zehntausend mit Pflanzen beklebte Bögen lagern in Stahlschränken. Teilweise sind sie über hundert Jahre alt, sagt Tilman Schladebach, der Leiter des Bildungs- und Kulturzentrums auf der Burg Beeskow. Kürzlich entschied der Landkreis, die Blätter zu verschenken, um sie vor dem Verfall zu retten. Empfänger der Gabe ist der Botanische Garten der Freien Universität Berlin.

Seit der Wende lagern die Botanischen Dokumentationen unter dem Dach der Burg. Vorher seien viele Exemplare Teil einer Dauerausstellung gewesen, heute sei die Präsentation nicht mehr möglich, weil nicht mehr genügend Mitarbeiter da sind, um sie zu betreuen, so Burg-Chef Schladebach. Seltenheitswert hätten die botanischen Blätter ohnehin nur durch ihr Alter errungen. Ausgestorbene Pflanzen, so habe er von Experten erfahren, seien nicht unter den aufgeklebten Gräsern und Blumen. An manchen Exemplaren könne man erkennen, dass sie aus der Vergangenheit stammen, etwa weil die Ausformungen der Blütenstände sich im Laufe der Jahre verändert hätten. Schäden an den getrockneten Pflanzen habe das Dachbodenklima indes noch nicht angerichtet, wie Schladebach versichert.

Das hofft auch Robert Vogt, Leiter des Herbariums am Botanischen Garten in Berlin und Beschenkter. Im unterirdischen Archiv des Botanischen Gartens wird darauf geachtet, dass permanent zwischen 18 und 20 Grad sowie 50 Prozent Luftfeuchtigkeit herrschen. Gut zu wissen, sagt Vogt, dass die Stücke in Schränken lagerten, mit Arsen- oder Quecksilber-Chlorid gegen Insekten geschützt.

Anfang kommenden Jahres sollen die rund 10 000 Belege von der Beeskower Burg in das zur FU gehörende Museum des Botanischen Gartens umziehen. Eher wie ein Tropfen in einem Fass nimmt sich die Spende angesichts der Fülle von 3,5 Millionen getrockneten Pilzen, Moosen und Gräsern in der FU aus. Für Vogt ist sie dennoch ein Grund zur Freude, enthält die bevorstehende Gabe doch wichtiges Belegmaterial. „Es handelt sich unter anderem um eine einmalige Arbeit des Amateurbotanikers Gustav Kunow“, sagt Vogt. Der habe Ende des 19. Jahrhunderts die Botanik seiner Heimatstadt Freienwalde katalogisiert. „Sein Buch steht hier in der Bibliothek“, sagt Vogt. „Jetzt haben wir bald auch die Belege dazu.“ Andreas Wilhelm

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