Der Tagesspiegel : Blumen und Kerzen als letzter Gruß

Claus-Dieter Steyer

Blumen, Kränze, Briefe, Karten und brennende Kerzen - Zeugen der Trauer über den Tod von Regine Hildbrandt vor ihrem Wohnhaus in Woltersdorf. Autos mit Kennzeichen aus ganz Brandenburg und vor allem aus Berlin fuhren vor dem Haus in der Ethel- und Julius-Rosenberg-Straße vor. Menschen verharrten vor dem Zaun und legten rechts oder links des Tores ihre Blumen ab. Auch der Briefkasten steckte voller Kondolenzschreiben.

In dem neu gebauten Haus wohnte die in der Nacht zu Dienstag verstorbene frühere Brandenburger Sozialministerin seit dem Herbst 1997. Vier Generationen - von den Schwiegereltern bis zu den Enkelkindern - lebten hier unter einem Dach. Es ist das letzte Haus vor der Ortsgrenze. "In ganz Woltersdorf ist Betroffenheit und Bestürzung über den Tod zu spüren", sagt Bürgermeister Wolfgang Höhne. Sie habe sich schließlich nicht nur in der Landes- und Bundespolitik, sondern auch im Ort für sozial Schwache eingesetzt. Ihr Engagement bleibe unvergessen.

Viele Trauernde kamen während ihrer Mittagspause am Haus vorbei. "Sie war ein Leuchtfeuer im Meer der Dunkelheit", sagte ein Berliner Installateur. Die Nachricht vom Tod habe jeden im Unternehmen berührt. "Ihr konnte man wenigstens vertrauen." Die Kumpels von der Baustelle im Nachbarort hätten Geld für einen richtigen Kranz gespendet. "Das war sie uns wert, obwohl niemand die Frau persönlich gekannt hat", erzählte er. Ehepaare wechselten sich auf dem Fußweg mit einzelnen Männern, Frauengruppen und Jugendlichen ab. Viel wisse sie von Frau Hildebrandt nicht, sagt die 13-jährige Mike. "Aber meiner Mutter sind gestern vor dem Fernseher die Tränen gekommen. Irgendwann muss sie uns beim Kita-Platz für meine Schwester geholfen haben. Da hat meine Mutter den ganzen Abend von der Frau erzählt." Deshalb sei er heute mit seinem Freund nach der Schule zum Haus geradelt.

Vor allem aus Berlin kamen Frauen in Trauerkleidung nach Woltersdorf. Sie zündeten Kerzen an und blieben lange vor dem Haus stehen. Sie verbargen ihre Tränen nicht und verrieten nur kurz ihre Beziehung zu Regine Hildebrandt: "Wir sangen im Chor zusammen." Andere arbeiteten mit ihr bis zuletzt im Willy-Brandt-Haus in Berlin.

In die Trauer mischte sich gestern auch eine Ratlosigkeit über ihre Krankheit. "Sie ist nun jeden Tag hinter ihrem Haus in den Flakensee gesprungen und hat sich abgehärtet", erzählte eine Frau aus der Nachbarschaft, die Regine Hildebrandt oft beobachtet hatte. "Aber den Tod konnte auch sie nicht aufhalten", meinte sie kopfschüttelnd. Unablässig stoppten bis in die Abendstunden Autos mit Trauernden vor dem Haus in Woltersdorf.

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