Der Tagesspiegel : Blut-Tourismus im Grenzgebiet

Hunderte Polen wollten spenden. Sie hatten gehört, man bekomme viel Geld

Ingo Bach

Frankfurt (Oder) – Die Brandenburger Blutspendedienste haben ein Problem: In den vergangenen Tagen meldeten sich in Frankfurt, in Cottbus, in Schwedt und Görlitz hunderte Polen, die unbedingt Blut spenden wollen. Das wäre eigentlich gut, denn wie in jedem Sommer sind auch in diesem Jahr die Blutbanken gefährlich geleert. Doch die polnischen Spender hoffen auf viel Geld. Denn ein polnischer Radiosender hatte nach DRK-Informationen vor einigen Tagen gemeldet, dass die deutschen Blutspendedienste für eine Blutkonserve 400 Euro zahlten.

„Und nun kommen Polen selbst aus weit entfernten Gebieten zu uns, teilweise sogar mit Charterbussen“, sagt Annett Smolka vom DRK-Blutspendedienst Berlin-Brandenburg. Viele hätten nur einen Zettel in der Hand, auf dem „Blutspende“ steht. „Sie sprechen zum Teil kein Wort Deutsch.“ Die Mitarbeiter in den Blutspendediensten sprechen hingegen oft kein Polnisch. Wie soll man verständlich machen, dass es beim DRK prinzipiell für Blutspenden kein Geld, sondern nur einen Imbiss gibt. Inzwischen haben die DRK-Blutspendedienste Informationen auf Polnisch drucken lassen.

„Die Enttäuschten reagieren manchmal sehr aggressiv“, sagt Smolka. Schließlich hätten sie oft viel Geld für den Transport ausgegeben. Und 400 Euro seien zwei durchschnittliche Monatsverdienste. In Brandenburg hofft man nun, dass sich die richtige Nachricht im Nachbarland ebenso schnell herumspricht wie die falsche. Außerdem: „Auch die polnischen Kliniken brauchen dringend Blutspender“, sagt Smolka.

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