Der Tagesspiegel : Bob Sondermeijer: Vor verschlossenen Türen

Claus-Dieter Steyer

Der Weg aus Rotterdam in die Märkische Schweiz hatte sich für Bob Sondermeijer nur zur Hälfte gelohnt. Denn er stand zwar wie gewünscht vor dem Sommersitz seines berühmten Großvaters John Heartfield. Doch die Türen zum Ferienhaus des Künstlers waren verschlossen. Bürgermeister Manfred Werner war die Sache peinlich, hatte er doch alles vorbereitet. Nur zwei Angestellte des Bundesvermögensamtes machten ihm einen Strich durch die Rechnung, als sie nicht auf die Abordnung aus dem Ort warteten und vorzeitig verschwanden - mit dem Schlüssel.

Der Bürgermeister vermied allerdings harte Kritik am Amt. "Wir brauchen die Behörde im Kampf für eine Erinnerungs- und Begegnungsstätte im Sommerhaus", sagte Werner. "Bei ihr liegt die Entscheidung, ob wir das Haus nutzen können." Der Anspruch einer Erbengemeinschaft auf das direkt am See gelegene 2400 Quadratmeter große Grundstück verhindere das lange geplante Museum. John Heartfield, als Joseph Herzfeld 1891 in Berlin geboren, hatte von 1956 bis zu seinem Tod 1968, das Gelände in Waldsieversdorf gepachtet. Durch Bertolt Brecht, der im nahen Buckow lebte, war Heartfield auf die schöne Gegend aufmerksam geworden.

"Ich habe meinen Großvater mehrmals in Waldsieversdorf besucht", erzählte der 1946 in Holland geborene Enkel. "Wir sind durch die Wälder zum Pilzesammeln gezogen." Von der Erinnerungsstätte zeigte er sich hoch erfreut. "Allerdings muss wohl angesichts des schlechten Zustandes bald etwas passieren." Schon seit Jahren steht das Haus leer, nachdem die Akademie der Künste ausgezogen ist. Sie verwaltet auch den Nachlass. "Meine Unterstützung für das Vorhaben haben Sie", versicherte Sondermeijer. Auf 200 000 Mark werden die Kosten für die Herrichtung des Sommerhauses geschätzt.

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