Bombodrom-Aus : Große Pläne für die Heide

Die einen wollen einen Solarpark bauen, die anderen setzen auf Tourismus. Das Areal bleibt gesperrt.

 Alexander Fröhlich,Claus-Dieter Steyer
Kyritzer_Heide
Neue Sprüche braucht das Land. Die Bombodrom-Gegner feiern ihren Erfolg über die Bundeswehr. -Foto: ddp

Wittstock - Rund um das Bombodrom- Gelände hängen neue Schilder: „Die Heide ist frei“, lautet die Botschaft. So groß die Freude auch darüber ist, dass die Bundeswehr auf das 14 000 Hektar große Areal verzichtet hat, so stellen sich bereits die Fragen nach der Zukunft des Geländes. Für einen Fotovoltaik-Hersteller wie First Solar wäre die Antwort einfach. Er könnte ein Kraftwerk in der Kyritz-Ruppiner Heide errichten. Das Unternehmen hat sich bereits beim Neuruppiner Bürgermeister Jens-Peter Golde (Pro Ruppin) gemeldet und auf seine Erfahrungen auf dem ehemaligen Übungsplatz Lieberoser Heide nördlich von Cottbus verwiesen. Hier entsteht bereits ein Solarpark, und die Einnahmen aus der Verpachtung werden zur Munitionsberäumung verwandt. Der Kontakt kam auf Initiative der Landesregierung zustande. Allerdings will First Solardas ein Kraftwerks nicht selbst betreiben.

Benedikt Schirge, Sprecher der Bürgerinitiative „Freie Heide“, kann sich mit schnellen Lösungen allerdings nicht anfreunden. Er ruft dazu auf, in Ruhe nachzudenken. „Wir können froh sein, dass die bisherige Entwicklung nicht gebremst wird.“ Nach einer Untersuchung der Industrie- und Handelskammer wären durch das Bombodrom 15 000 Arbeitsplätze im Tourismus und in der Landwirtschaft in Gefahr geraten. „Dagegen wollte die Bundeswehr im Umfeld des Truppenübungsplatzes nur 150 neue Arbeitsplätze schaffen“, sagt Schirge.

Auch Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) hält nichts von Schnellschüssen. „Die Hoteliers in Rheinsberg haben mir beispielsweise bedeutet, dass sie am liebsten gar keine Entwicklung auf dem Übungsplatz sehen würden. Wichtig ist für sie die Ruhe, um Urlauber und vor allem Kulturtouristen weiterhin anzulocken.“ Rad- und Wanderwege wünscht sich der zuständige Landrat des Kreises Ostprignitz-Ruppin, Christian Gilde (SPD). „Wir brauchen nicht Beton und Stahl auf dem Platz, sondern wollen den natürlichen Reichtum nutzen.“ Das ist allerdings gar nicht so leicht. Da die sowjetischen Truppen zwischen 1952 und 1992 nicht gerade sorgfältig mit dem Gelände umgingen, werden zahlreiche Blindgänger im Boden vermutet. Auf 1,5 Millionen Stück schätzen Bundeswehr-Experten die Zahl der noch zu entschärfenden Bomben und Raketen. Nach bislang vorliegenden Zahlen wird die Dekontamination mehr als 200 Millionen Euro kosten. Es werde wohl noch Jahre dauern, bis das Gelände freigegeben werden kann, fürchtet der verteidigungspolitische Sprecher der SPD-Fraktion im Bundestag, Rainer Arnold.

Solche Probleme gibt es auch in der fast 100 Jahre militärisch genutzten Döberitzer Heide am westlichen Berliner Stadtrand. Sie befindet sich mittlerweile im Besitz der Stiftung des verstorbenen Tierfilmers Heinz Sielmann. Hier sollen Wisente und Wildpferde die Heide vor einem Zuwuchern bewahren. Es gibt ein Netz aus Wanderwegen, die allerdings wegen der Blindgänger im Boden nicht verlassen werden dürfen.

Andere Übungsplätze sind nach wie vor für Besucher gesperrt, wie beispielsweise die Tangersdorfer Heide bei Templin oder das Umfeld des früheren sowjetischen Flugplatzes bei Sperenberg und der Truppenübungsplatz am einstigen sowjetischen Oberkommando in Wünsdorf. Wie gefährlich und unberechenbar die Hinterlassenschaften der Militärs sind, zeigen die fast alljährlichen Brände auf den riesigen Übungsplätzen rund um Jüterbog. Hier kann die Feuerwehr keine Brandherde bekämpfen, sondern höchstens ein Übergreifen der Flammen auf angrenzende Waldgebiete verhindern.

Die wohl bekannteste Nachnutzung eines Militärgeländes ist „Tropical Islands“, das auf einem alten Flugplatz steht. Auf dem Gelände in der Umgebung sollen zudem Ferienhäuser gebaut werden. Solche Pläne kommen für das Bombodrom an der nördlichen Landesgrenze kaum in Betracht. Was dort möglich wäre, soll auf einer Tourismuskonferenz der Länder Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern beraten werden. „Die größten Effekte erzielen wir, wenn wir länderübergreifend vorgehen“, teilten Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns und sein Mecklenburger Amtskollege Jürgen Seidel (beide CDU) mit. Termin ist der 14. September.

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