Bombodrom : Politiker suchen nach Lösungen

Der Streit um die künftige Nutzung der Kyritz-Ruppiner Heide beschäftigt jetzt auch Abgeordnete des Bundestags. Vor Ort treffen die Vertreter am Montag auf Kollegen aus der Landes- und Kommunalpolitik.

Wittstock - Der Petitionsausschuss des Parlaments besichtigt am Montag den ehemaligen sowjetischen Truppenübungsplatz. Bei dem Ortstermin im so genannten Bombodrom an der Landesgrenze zwischen Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern treffen sich die Abgeordneten auch mit Vertretern der Landesregierungen und Parlamente beider Länder sowie Bürgern umliegender Landkreise. Das Bundesverteidigungsministerium, das auf die Nutzung als Bombenabwurfplatz dringt, wird nach Angaben des Petitionsausschusses nicht vertreten sein. Im Vorfeld des Termins bekräftigten die Ministerpräsidenten von Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern, Matthias Platzeck und Harald Ringstorff (beide SPD), ihre ablehnende Haltung gegenüber einer Nutzung des Areals durch die Bundeswehr.

Die Luftwaffe will den rund 14.000 Hektar großen früheren sowjetischen Truppenübungsplatz für rund 1700 Einsätze pro Jahr nutzen. Ein Teil der Tiefflugzone führt über die Müritzer Seenplatte, die zusammen mit der Ruppiner Seenkette das größte zusammenhängende Wasserwandergebiet Westeuropas bildet. In der Kyritz-Ruppiner Heide wird seit 15 Jahren gegen den von der Bundeswehr geplanten Bombenabwurfplatz protestiert. Mehrere Gemeinden und Unternehmen klagen gegen die Wiederinbetriebnahme des ehemaligen Militärgebiets. Zudem liegen dem Bundestag mehrere Petitionen gegen die militärische Nutzung vor.

Bomben oder Touristen?

Die Länder setzen auf eine friedliche Nutzung des Areals und verweisen auf die touristischen Potenziale der Region. Nach Angaben der Bürgerinitiative "Freie Heide" wurden in den vergangenen Jahren allein im Ruppiner Land 466 Millionen Euro im Tourismusgewerbe investiert. Zudem seien mehr als 100 Millionen Euro Fördermittel zur Entwicklung des ländlichen Raumes bewilligt worden. In der Müritz-Region seien seit 1990 rund 727 Millionen Euro in den gewerblichen Tourismus geflossen.

Auch Platzeck und Ringstorff plädieren dafür, die wirtschaftlichen und touristischen Potenziale der Region auszubauen. Platzeck unterstrich: "Wir treten entschieden für eine zivile Nutzung der Kyritz-Ruppiner Heide ein und setzen auf die Entwicklung des Tourismus." Die Region zwischen Rheinsberg, Fürstenberg, Kyritz und Neuruppin sei eine der reizvollsten Landschaften Deutschlands. Eine zeitgleiche touristische und militärische Nutzung ist nach Platzecks Auffassung nicht miteinander vereinbar.

Pau: Schlüsselrolle für Bundes-SPD

Ringstorff warnte davor, dass die Wiedereinrichtung des Übungsplatzes gravierende Folgen für den naturnahen Tourismus hätte. Die Urlaubsgäste kämen an die Mecklenburgische Seenplatte, um die Natur zu genießen. Dazu passe ein Schießübungsplatz nicht. Zudem könne den Bürgern nicht vermittelt werden, warum eine kleiner werdende Bundeswehr einen weiteren Übungsplatz brauche.

Die stellvertretende Vorsitzende der Linkfraktion im Bundestag, Petra Pau, unterstrich, der seit 16 Jahren andauernde Kampf gegen das "Bombodrom" müsse jetzt zugunsten einer friedlichen Nutzung entschieden werden. Der Schlüssel für eine friedliche Nutzung ist nach Paus Worten die Bundes-SPD. Sie habe in den 90er Jahren die "Bombodrom"-Gegner unterstützt, sei später aber "vergesslich" geworden. Nun könne sie auf den "Pfad der Tugend zurückkehren". (Von Claudia Pietsch, ddp)

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