Bombodrom : Still ruht die Heide

Die Tourismusbranche freut sich über das Aus fürs Bombodrom. Konkrete Nutzungspläne gibt es allerdings noch nicht.

Claus-Dieter Steyer
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Noch ein weißer Fleck auf der Landkarte: Lange soll die Heide aber nicht mehr so bleiben. -Foto: dpa

RheinsbergNach dem Verzicht der Bundeswehr auf einen Bombenabwurfplatz bei Wittstock wird es keine kurzfristige touristische Nutzung des riesigen Kyritz-Ruppiner Heide geben. „So eine tiefe Wunde verheilt nicht so schnell“, sagte der Landrat des zuständigen Landkreises Ostprignitz-Ruppin, Christian Gilde, auf einer Konferenz mit etwa 200 Touristikern aus Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern am Montag in Rheinsberg. „Es ist ein Generationsaufgabe, die Heide erlebbar zu machen.“ Vor allem die starke Belastung mit Munition aus dem fast 40-jährigen Übungsbetrieb der russischen Armee müsse erst beseitigt werden. Der wichtigste Erfolg des rund 17-jährigen Kampfes gegen die von der Bundeswehr beabsichtigten Tiefflugübungen und Bombenabwürfe sei die „Ruhe über der Heide“. Nun könnten die Hoteliers, Kulturmanager, Kanu- und Radverleiher oder Wanderführer in der Umgebung ungestört ihrer Arbeit nachgehen und neue Pläne verwirklichen.

Allerdings will die Bürgerinitiative „Freie Heide“ das 140 Quadratkilometer große Areal nicht für unabsehbare Zeit als weißen Flecken auf der Landkarte sehen. „In der Vergangenheit waren hier und da schon Jagdgesellschaften, Imker oder Förster unterwegs“, erklärte Initiativenchef Benedikt Schirge. „Diese Gebiete könnten nach einer erfolgreich verlaufenen Bodenanalyse freigegeben und beispielsweise durch einen Radweg erschlossen werden.“ Denn die Heide sei eine einmalige Naturlandschaft, die am besten im Landes- oder in einem Stiftungseigentum bleiben müsse.

Dafür gibt es in Brandenburg durchaus Beispiele. So hat die Stiftung des verstorbenen Tierfilmers Heinz Sielmann die am westlichen Berliner Stadtrand gelegene Döberitzer Heide gekauft, um das mehr als 100 Jahre lang von Panzern und Granaten durchpflügte Gelände als Naturlandschaft zu erhalten. Die Heinz-Sielmann-Stiftung hatte bereits ihr Interesse an einer Übernahme auch der Kyritz-Ruppiner Heide bekundet.

Das Land Brandenburg wird vorerst ohnehin kein Geld in die Entwicklung des Übungsplatzes stecken. „Wir bauen da vor allem auf das Engagement von Unternehmern“, sagte Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns (CDU). Da das Gelände noch immer dem Bund gehört, müssten die Steuerzahler für die Munitionsberäumung aufkommen. Die Schätzungen dafür gehen von einem zweistelligen Millionenbetrag aus. „Die Bundeswehr hat sich in den vergangenen 17 Jahren viel zu wenig um die Blindgänger gekümmert“, beklagte sich Neuruppins Bürgermeister Jens-Peter Golde. „Von der am stärksten belasteten 5000 Hektar großen Fläche, hat sie gerade mal 20 Hektar beräumt.“

Keinen Zweifel ließen Unternehmer und Politiker an der Endgültigkeit des Verzichts der Bundeswehr auf die Heide. „Es gibt keinerlei Anzeichen für eine anderweitige militärische Nutzung“, versicherte Minister Junghanns, der Gespräche mit der Bundeswehr ankündigte. Für den anderen Fall kündigten die Bürgerinitiativen harten Widerstand an. Barbara Lange von der Aktion „Freier Himmel“ an der Müritz sagte: „Wir sind noch kampfbereit.“

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