Der Tagesspiegel : "Boran": Der Einsiedler im Spreewald

Thomas Schrimpf

Ein Gefängnisausbruch, eine Verfolgung mit einem Polizeihubschrauber, ein schwerer Autounfall: So beginnt die Geschichte, die in diesen Tagen in einem Waldstück bei Erkner gedreht wird - und sie endet mit einem Mord und einem Selbstmord. Trotzdem ist der Film keine tumbe Action-Story. Es ist die Geschichte der Wiederbegegnung zweier Liebender, die sich vierundzwanzig Jahre lang tot wähnten, genauer: die Geschichte davon, wie diese Begegnung zustande kommt.

"Boran" ist die erste Regiearbeit des Müncheners Alex Berner. Für den Schnitt von "Schlafes Bruder" und "Wie die Zeit vergeht" erhielt er 1996 den Deutschen Filmpreis. "Sein Enthusiasmus steckt uns alle an", sagt Boran-Darsteller Matthias Habich. Eine Zeitungsmeldung gab Berner den Anstoß: Ein Straffälliger in den USA hatte sich in Wäldern versteckt gehalten und wurde dann - kurz vor Ablauf der Verjährungsfrist - gefunden und verurteilt. Berner entwickelte daraus die verwickelte Geschichte des Mannes Boran, der nach einer Flucht aus dem Gefängnis Frau und Sohn aus den Augen verliert. Boran hält sich über zwei Jahrzehnte in einer Hütte im Spreewald versteckt. Erst als die dreizehnjährige Clara in seinem Leben auftaucht und behauptet, seine Enkelin zu sein, erwacht in Boran die Hoffnung, dass Ehefrau und Sohn noch am Leben sein könnten. Während sich da zwischenmenschliche Verstrickungen entwickeln, beginnt zugleich die erneute Fahndung nach dem tot geglaubten Boran.

Anfang der Woche begannen die Dreharbeiten bei Erkner, seit September wurden schon Szenen aufgenommen. Es ist der erste größere Kinofilm, der im Spreewald gedreht worden ist. "Boran" soll 2001 in die Kinos kommen.

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