Bosnien-Herzegowina : Köhler besucht deutsche Soldaten in Sarajewo

Bundespräsident Horst Köhler hat heute seine viertägige Balkanreise abgeschlossen. Am letzten Tag seiner Reise machte er bei den deutschen Soldaten in Sarajewo stop.

Horst Köhler
Horst Köhler im Gespräch mit deutschen Soldaten in Sarajewo. -Foto: dpa

SarajewoMit einem Besuch des deutschen Einsatzkontingents in Bosnien und Herzegowina hat Bundespräsident Horst Köhler heute seine viertägige Balkan-Reise beendet. Zuvor hatte der Bundespräsident Rumänien und Bulgarien besucht. Der Generalinspekteur der Bundeswehr, Wolfgang Schneiderhan, begrüßte Köhler im Feldlager Rajlovac. Experten halten die Sicherheitslage zwar für stabil, sehen aber weiter Konflikt- und Risikofaktoren. Köhler sprach den Soldaten seine Anerkennung aus. "Ich habe in allen Gesprächen erfahren, dass die Bundeswehr hohes Ansehen in der Bevölkerung genießt", sagte der Bundespräsident.

In Bosnien und Herzegowina sind derzeit 560 deutsche Soldaten eingesetzt. Die Europäische Union (EU) hatte Ende 2004 das Kommando über die dort stationierte Friedenstruppe übernommen. Die Operation Eufor ist der bislang größte militärische Einsatz der EU. Deutschland ist neben Spanien und Italien die führende Nation bei diesem Einsatz. Das Feldlager Rajlovac wird Ende des Jahres an die bosnische Armee übergeben.

Der militärische Einsatz geht inzwischen in einen politischen über. Dazu wurde das Konzept der so genannten "Liason Obervation Team" (LOT) entwickelt. Sechs bis acht Soldaten leben ein halbes lang in einem angemieteten Haus. Sie sollen sich in der Bevölkerung bewegen, Informationen sammeln und auch ein Gefühl der Sicherheit vermitteln. Derzeit gibt es 44 LOT-Häuser. 17 Nationen sind beteiligt. Deutsche Soldaten bewohnen vier dieser Häuser.

Sicherheitsexperten beklagen desolate Sicherheitslage im westlichen Balkan

Zuvor hatte sich Köhler mit der Staatsführung getroffen, die entsprechend der ethnischen Aufteilung Bosniens und Herzegowinas dreigeteilt ist. Nach dem Zerfalls Jugoslawiens war 1992 ein Bürgerkrieg unter den Volksgruppen ausgebrochen, der mehr als 100.000 Menschenleben gefordert hatte. Sarajewo wurde dabei belagert und eingeschlossen. Ende 1995 wurde im Friedensabkommen von Dayton die heutige Aufteilung des Landes festgelegt.

Sicherheitskreise zeichnen ein desolates Bild der Lage in den westlichen Balkan-Staaten. Die Demokratie sei nicht gefestigt, Korruption bremse die Entwicklung. Die Akteure der Organisierten Kriminalität und die mit ihnen verbundenen Politiker lebten in relativem Wohlstand, heißt es. Bosnien-Herzegowina gilt als Rückzugs- und Transitland für radikale Islamisten. Der Staat sei zudem Transitland für Drogen-, Waffen- und Menschenhandel.

Sicherheitsexperten zufolge bestehen Netzwerke zwischen der Organisierten Kriminalität und dem Militär. Die Korruption durchziehe alle Gesellschaftsbereiche. Die prekäre wirtschaftliche Lage mit einer Arbeitslosenquote von mehr als 45 Prozent zwinge die Bevölkerung, die kriminellen Aktivitäten zu dulden oder sie sogar zu unterstützen, wird berichtet. (mit dpa)