Brandenburg : Das Virus ist gelandet

Der Verdacht bestätigte sich schnell: Ein Ehepaar aus Brandenburg hat sich mit H1N1 infiziert, die Schweinegrippe hat die Region Berlin-Brandenburg erreicht. Das Paar war aus Mexiko über den Flughafen Tegel nach Hause gereist.

Sandra Dassler[Rainer W. During]

Zum Glück verläuft die Krankheit bei dem betroffenen Paar nach Aussage der Ärzte leicht und komplikationslos, Entwarnung will aber niemand geben. Im Gegenteil: Erschreckend sei, wie schnell sich das Virus ausbreite, warnten gestern Experten.

Das bestätigt auch der Brandenburger Fall. Die Ehefrau soll sich nach Meinung der behandelnden Ärzte im Kontakt mit einer Hamburgerin infiziert haben, die am 27. April mit dem gleichen Flugzeug von Mexiko nach Düsseldorf kam. Danach habe die Frau ihren Mann angesteckt. Ein Sprecher des Robert-Koch-Instituts sagte dem Tagesspiegel, es könne auch sein, dass sich das Ehepaar schon in Mexiko infiziert habe: „Die Luft in Flugzeugen ist eher sauber. Eine Ansteckung über die Klimaanlage ist nicht möglich.“ Ob sich weitere Passagiere des Fluges aus Mexiko oder des Anschlussfluges nach Berlin infizierten, ist nicht bekannt, die zuständigen Behörden überprüfen die Passagierlisten.

Mit Beginn des Sommerflugplans am 1. Mai gibt es bei Air Berlin nur noch einen wöchentlichen Nonstopflug zwischen Düsseldorf und dem mexikanischen Ferienort Cancun, erklärte Firmensprecherin Claudia Löffler. In Düsseldorf werden die Passagiere von Amtsärzten begutachtet, das Flugzeug wird vor dem nächsten Einsatz zusätzlich desinfiziert.

Die Lufthansa bietet täglich einen Linienflug von Frankfurt nach Mexiko und zurück an. Bisher hat kaum ein Kunde von seiner Rücktrittsmöglichkeit Gebrauch gemacht, die Rückflüge nach Deutschland sind „brechend voll“, so die Gesellschaft. Zusätzlich zur amtlichen Kontrolle in Frankfurt lässt die Lufthansa auf allen Mexiko-Verbindungen einen Arzt mitfliegen, der bei Verdachtsfällen eingreifen kann. Bisher war dies nicht nötig.

In Berlin ist besonders der Flughafen Tegel betroffen, wo Zubringerflüge der Air Berlin aus Düsseldorf und der Lufthansa aus Frankfurt landen. Verstärkte Kontrollen gebe es aber nicht, so Flughafen-Sprecher Ralf Kunkel. Man stehe in Kontakt mit den Gesundheitsbehörden und habe die Mitarbeiter angewiesen, auf Reisende mit Grippesymptomen zu achten. Würde der Verdachtsfall noch während des Fluges auftreten, dürfte die Maschine nicht mehr in Berlin landen. Denn seit die Quarantänebaracke in Tegel abgebrannt ist, hat der Airport seinen Status als Sanitätsflughafen verloren. Nach Angaben des für Tegel zuständigen Reinckendorfer Gesundheitsstadtrats Andreas Höhne haben die Fälle in Brandenburg für Berlin bisher keine Konsequenzen. „In Berlin gibt es bisher weder einen Krankheits- noch einen Verdachtsfall“, teilte auch die Senatsgesundheitsverwaltung mit. „Wir stehen in enger Verbindung mit den Gesundheitsämtern, die von den Ärzten sofort informiert werden.“

Trotzdem habe die Verwaltung nicht nur die Behörden, sondern über Kammern und Verbände auch Firmen und Betriebe gebeten, für den Fall einer Ausbreitung der Grippe Vorsorge zu treffen. Das Land Berlin habe einen zusätzlichen Vorrat an Medikamenten angelegt. Sandra Dassler, Rainer W. During

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