Der Tagesspiegel : Brandenburg fährt auf Biodiesel ab

Treibstoff aus Raps und Roggen: Landwirte werden zu „Energiewirten“. In keinem anderen Bundesland wird so viel nachwachsender Rohstoff angebaut

Thorsten Metzner

Potsdam - Das Land Brandenburg will verstärkt auf Bioenergie setzen, um seine Energieversorgung von Braunkohle, Erdgas und Erdöl unabhängiger zu machen. Das hat Agrarminister Dietmar Woidke (SPD) am Mittwoch in Potsdam angekündigt. Er stellte eine neue „Strategie zur energetischen Nutzung von Biomasse bis zum Jahr 2010“ vor – auch als ein Zukunftsfeld für die an vielen Problemen leidende herkömmliche Landwirtschaft, die neben der klassischen Lebensmittelproduktion mit der Energie-Rohstoffgewinnung ein neues Standbein bekommen soll. Schon jetzt werde ein Viertel aller Biokraftstoffe Deutschlands in Brandenburg hergestellt, sagte Woidke. Ziel sei es, diese Spitzenstellung bei der Nutzung von Bioenergie in der Bundesrepublik weiter auszubauen.

Auf 60 000 Hektar werden im Land Brandenburg bereits „Energiepflanzen“ hergestellt – so viel wie nirgendwo sonst in Deutschland. Es folgen Mecklenburg-Vorpommern (44 000 Hektar), Sachsen-Anhalt (40 000 Hektar), Niedersachsen (22 000 Hektar) und Bayern (20 000 Hektar). Es handelt sich vorwiedend um Raps, aus dem Bio-Diesel oder Bio-Gas produziert wird, und um Roggen, der in der Raffinerie Schwedt in der größten Anlage dieser Art in Deutschland zu Bioethanol verarbeitet und schon jetzt herkömmlichen Kraftstoffen beigemischt wird. „Jeder, der in Brandenburg einen Diesel-PKW fährt, tankt schon ein bisschen mit Biodiesel“, heißt es im Agrarministerium. Jährlich werden in Schwedt 180 000 Tonnen Bioethanol aus Roggen hergestellt – wofür 500 000 Tonnen des Getreides erforderlich sind. Zum Vergleich: In Brandenburg werden jährlich 900 000 Tonnen Roggen geerntet. Nach Einschätzung von Experten wird der Landwirt langfristig mehr und mehr zum „Energiewirt“.

Auch vor diesem Hintergrund sprach Woidke von einer „Wachstumsbranche“. Nach seinen Angaben wurden in den letzten Jahren bereits acht Produktionsanlagen zur Herstellung von Biokraftstoffen errichtet. Die Bioenergie im Land sichere bereits 1000 Jobs. Und man findet mittlerweile etwa alle dreißig Kilometer eine Biodiesel-Tankstelle im Land. Ein Grund für diese Zunahme seien auch die drastisch gestiegenen Erdgas- und Erdölpreise, durch die Bioenergie eine Alternative wird.

Trotzdem, sagte Woidke, stehe man bei der Entwicklung auch technologisch noch am Anfang. Das Land reize seine Möglichkeiten zur Herstellung von Bioenergie bislang bei weitem nicht aus – so werde erst 19 Prozent des Potenzials an nutzbarer Biomasse verwertet. Trotzdem erwartet der Minister, dass das Ziel des Bundesumweltministeriums, wonach bis 2030 etwa 16 Prozent des Stroms, zehn Prozent der Wärme und zwölf Prozent des Kraftstoffs in Deutschland aus Bioenergie erzeugt werden sollen, in Brandenburg bereits früher erreicht wird. Zurzeit machen erneuerbare Energien – Biomasse hat mit 77 Prozent den Hauptanteil – fünf Prozent des Brandenburger Energieverbrauchs aus.

Woidke machte keinen Hehl daraus, dass das Land bei der Ausweitung des Anbaus von „Energiepflanzen“ auch klar auf die grüne Gentechnik setze. Die Lage stelle sich anders dar als bei der Lebensmittel- und Futtermittelproduktion, wo das Agrarministerium dem Anbau genmanipulierter Pflanzen eher kritisch gegenüberstehe, sagte Woidke. Doch „bei nachwachsenden Rohstoffen kommen wir ohne die grüne Gentechnik nicht weiter“.

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