Brandenburg : Gemeinde will Straße zurück – für nur 1300 Euro

Der Eigentümer einer 500 Meter langen Straße muss sich auf einen langen Rechtsstreit über den von ihm beabsichtigten Verkauf an die Kommune einstellen müssen. Denn während der Berliner Dolmetscher Wassim Saab rund 387.500 Euro haben will, beschränkt sich das Angebot der Behörden auf 1300 Euro.

Claus-Dieter Steyer
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Saab fordert 387.500 Euro. -Foto: ddp

Briest – Der Eigentümer einer 500 Meter langen Straße in Briest in der Nähe der Havelstadt Brandenburg muss sich auf einen langen Rechtsstreit über den von ihm beabsichtigten Verkauf an die Kommune einstellen müssen. Denn während der Berliner Dolmetscher Wassim Saab rund 387 500 Euro haben will, beschränkt sich das Angebot der Behörden auf 1300 Euro. Kommt es zu keiner Einigung, müssen die Gerichte entscheiden.

Wie berichtet, hatte Saab im August die durch einen in den 90er Jahren errichteten Wohnpark führende Straße bei einer Zwangsversteigerung erworben. Dabei war er der einzige Bieter und erhielt für 1000 Euro den Zuschlag. Zwei bei der Verhandlung in Potsdam anwesende Angestellte des für Briest zuständigen Amtes „Stadt Havelsee“ hatten von der Amtsdirektorin keine Order erhalten, mitzubieten. Die Behörde war bisher der Meinung, die Straße nicht kaufen zu müssen.

Nun hat sich der Finanzausschuss der Stadt Havelsee, die aus mehreren kleinen Gemeinden besteht, mit dem Fall beschäftigt. Dabei wies er das Angebot von Wassim Saab zurück. Er schlug stattdessen vor, dem Rentner 1300 Euro zu bieten. Damit soll er seine bei der Zwangsversteigerung gezahlten 1000 Euro, vier Prozent Zinsen und eine Entschädigung für seine Auslagen erhalten. Saab bezeichnete die Summe als „indiskutabel“ und „lächerlich“.

Das letzte Wort hat nun die Stadtverordnetenversammlung im Dezember. Es gilt als sicher, dass sie der Empfehlung des Finanzausschusses folgen wird.

Laut Saab, 71, ergibt sich die von ihm verlangte Summe aus Berechnungen seines Anwaltes. Demnach kostete der Bau der Straße rund 793 000 Euro. Einen Teil davon verlangt er als Eigentümer nun von der Kommune. Der Wohnpark-Investor war zuvor pleitegegangen. Bei der Zwangsversteigerung kam die Straße unter den Hammer – zum Mindestgebot von einem Euro. Saab aber bot 1000 Euro und verließ als Eigentümer einer 5000 Quadratmeter großen Straße den Gerichtssaal.

Wassim Saab ist sich seines guten Geschäfts schon sicher. „Falls es keine Einigung mit der Kommune als Straßenbaulastträger gibt, kann ich meine eigene Enteignung verlangen. Dann steht mir eine Entschädigung zu“, sagte Saab. Darüber entscheidet die Enteignungsbehörde des Innenministeriums. Die Summe dürfte auf jeden Fall bedeutend höher als die von ihm bezahlten 1000 Euro liegen. Erfolgt keine Einigung, werden sich die Gerichte mit dem Fall beschäftigen müssen.Claus-Dieter Steyer

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