Brandenburg : Suche nach Behördenpannen - und weiterer Fall von Kindesmisshandlung

Im Fall Jennifer kündigt der Landrat einen umfassenden Bericht für Freitag an - gleichzeitig wird ein weiterer, allerdings älterer Fall von Kindesmisshandlung in Brandenburg bekannt.

Claus-Dieter Steyer

Den Fall der jahrelang von ihren Eltern versteckten 13-jährigen Jennifer aus Lübbenow in der Uckermark soll „bis ins kleinste Detail“ aufgeklärt werden. „So ein tragisches Geschehen soll sich nicht wiederholen“, sagte ein Sprecher der Kreisverwaltung in Prenzlau. Erste Informationen über mögliche Behördenpannen werde ein Bericht des Landrates liefern, der bis zum Freitag vorliegen soll. Inzwischen konnte die aus ihrem Urlaub zurückgekehrte Rektorin der für die Einschulung des Kindes zuständigen Grundschule in Werbelow nach den Umständen im Jahre 2002 befragt werden. Damals stand nach Angaben des Einwohnermeldeamtes der Name des Kinders auf einer Einschulungsliste. Dennoch fiel das Fehlen von Jennifer in der Schule nicht auf. Zum Ergebnis der Befragung der Rektorin gab es gestern noch keine Auskünfte.

Wie berichtet, war das geistig und körperlich behinderte Kind Mitte Juli nach einem anonymen Hinweis im Elternhaus entdeckt worden. Es befindet sich seitdem in der Kinderklinik Eberswalde, wo es täglich von ihren Eltern besucht wird. Landrat Klemens Schmitz (parteilos) möchte das Kind künftig von einem Therapiezentrum für Behinderte betreuen lassen. „Wir haben bereits einen Platz reservieren lassen“, bestätigte Schmitz. Dennoch schließe das eine mögliche Rückkehr der Tochter in ihre Familie nicht aus.

Unterdessen wurde jetzt ein weiterer Fall in Brandenburg bekannt, bei dem ein Kind jahrelang versteckt wurde. Der Landkreis Teltow-Fläming und das Landgericht Potsdam bestätigten, dass die Polizei im Jahre 2000 ein damals ebenfalls 13-jähriges behindertes Mädchen aus einem Käfig in der elterlichen Wohnung in Jüterbog befreit hatte. In den Archiven der Polizei findet man dazu aber keine Meldung.

Dabei lebte das Mädchen Mandy mindestens vier Jahre lang in einem nur einen Meter breiten und 1,80 Meter langen Metallverließ mit Gitterstäben bis zur Zimmerdecke. Zweimal am Tag soll es lediglich Grießbrei bekommen haben. Das Mädchen trug Windeln und konnte nicht laufen. Erst im Oktober 2008 kam es zur Anklage gegen die Eltern, die zehn Kinder gemeinsam hatten, vor dem Landgericht Potsdam. Während der Vater vom Vorwurf der Misshandlung freigesprochen wurde, erhielt die für vermindert schuldfähig eingeschätzte Mutter eine Geldstrafe von 250 Euro. Beide bestritten eine Schuld am Zustand ihrer Tochter, den ein Gutachter als „lebensgefährlich unterversorgt“ beurteilt hatte. Seit 2002 lebt Mandy nicht mehr bei ihren Eltern.

Viel strenger hatte das Landgericht Neuruppin Ende 1996 geurteilt, als es die Mutter und deren Lebensgefährten für die Misshandlung des 14-jährigen Jungens Monthy zu dreieinhalb beziehungsweise fünf Jahren Gefängnis bestrafte. Monthy war im Dorf Laaske mehrfach stundenlang in einem ungeheizten Keller so am Hals angekettet worden, dass er sich gar nicht bewegen konnte. Erst die von Nachbarn verständigte Polizei befreite ihn von den seinen Erziehungsberechtigten, die ihn unter anderem eine ganze kalte Nacht aufrecht stehend in einem Hundezwinger angekettet hatten.

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