Der Tagesspiegel : Brandenburg-Tag: Plötzlich kippte die Rutsche um

Claus-Dieter Steyer

Der Brandenburg-Tag in Luckau ist von einem schweren Unfall überschattet worden. Bei einem bis gestern ungeklärten Unfall auf einer aufgeblasenen Rutsche wurden am Samstagabend sechs Kinder und zwei Erwachsene zum Teil schwer verletzt. Ein fünfjähriges Mädchen erlitt beim Sturz aus sechs Meter Höhe einen Schädelbasisbruch. Nach Auskunft des Unfallkrankenhauses in Berlin-Marzahn schwebt das Kind nicht in Lebensgefahr. Es gehe ihm den Umständen entsprechend gut, hieß es von den behandelnden Ärzten.

Die Ermittlungen zur Unfallursache hat die Staatsanwaltschaft Cottbus übernommen. "Wir rätseln noch über die Ursache des Unglücks", sagte Staatsanwalt Detlef Hommes. "Unsere Ermittlungen konzentrieren sich auf den Angestellten des Betreibers dieser so genannten Riesen-Rutsche." Sachverständige hätten mit der detaillierten Prüfung des Spielgerätes begonnen, das sofort nach dem Unfall beschlagnahmt wurde.

Wie Augenzeugen des Unglücks gestern berichteten, kippte die rund sechs Meter hohe Rutsche plötzlich zur Seite. Sie hatte die Form eines angeschnittenen Käsestückes. In der Mitte krabbelten die Kinder in einem Tunnel nach oben, um sich dann von oben auf die Rutschbahn zu setzen. Mehrere Seile hielten die Kunststoff-Konstruktion auf der Erde und bewahrten sie vor einem Abheben. Die Staatsanwaltschaft wollte gestern Berichte nicht bestätigen, wonach an der Rutsche an beiden Seiten vier Seile im Boden verankert waren. Zur Ausstattung sollten sechs Seile gehören. Doch laut Vorschrift hätten vier ausgereicht.

Das Unglück ereignete sich zwischen 19 und 19.30 Uhr. "Der Mann an der Rutsche wollte schon abbauen und hat sich nur von zwei Müttern noch überreden lassen", erzählte eine Augenzeugin. Die benachbarte Hüpfburg hätte zu diesem Zeitpunkt schon Feierabend gemacht. "Vielleicht hatte der Aufpasser an der Riesenrutsche auch schon begonnen, Luft abzulassen", mutmaßte sie. "Jedenfalls hatte der Wind mit der Anlage ein leichtes Spiel." Sofort nach dem Unfall eilten von allen Seiten Rettungskräfte herbei. "Da verging keine Minute", bestätigte Anja Dumm von der Pressestelle des Brandenburg-Tages. Das schwer verletzte Mädchen wurde mit dem Hubschrauber in die Berliner Spezialklinik geflogen.

Ministerpräsident Manfred Stolpe und Luckaus Bürgermeister Harry Müller kamen umgehend zur Unglücksstelle. "Die betroffene Familie erhält von uns alle erdenkliche Unterstützung", versicherte Stolpe. Für kurze Zeit war überlegt worden, den Brandenburg-Tag abzubrechen. "Wenn der Unfall schlimmere Folgen gehabt hätte, wären wir wohl zu dieser Entscheidung gekommen", sagte der Bürgermeister. "Aber glücklicherweise ist das Kind außer Lebensgefahr." Am Sonntag erinnerte an der Unglücksstelle nichts mehr an den Unfall vom Vorabend. Der Platz der Riesenrutsche blieb leer.

Am Programm des Brandenburg-Tages wurde ohnehin nichts verändert. Jeweils 60 000 Menschen drängelten sich nach Schätzung der Veranstalter an beiden Tagen über den Marktplatz und die angrenzenden Straßen. Bauern, Handwerker, Künstler, Musiker und Tourismus-Werber veranstalteten ein buntes Treiben. Zum Höhepunkt des zum sechsten Mal ausgetragenen Landesfestes wurde erwartungsgemäß der mehr als drei Kilometer lange Festumzug mit über 2000 Teilnehmern. Vom Mittelalter bis zur Love Parade reichte das Spektrum der 50 Gruppen, die kostümiert und mit bunten Wagen durch das Luckauer Zentrum zogen. Der Vergleich mit einem Karnevalszug stimmte nur teilweise. Denn diesmal bettelten die Akteure bei den vielen Zuschauern am Straßenrand um milde Gaben und warfen nicht mit Bonbons um sich. So wechselte so mancher Becher Bier und so manches Likörfläschchen den Besitzer. In der Mischung mit dem warmen Wetter ließ die Wirkung nicht lange auf sich warten. Die Landesregierung hatte das Fest in Luckau mit rund 400 000 Mark unterstützt. Im nächsten Jahr wird Neuruppin den Brandenburg-Tag ausrichten. "Wir prüfen dann lieber zweimal die Sicherheit aller Attraktionen", hieß es von der dortigen Abordnung in Luckau.

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