Der Tagesspiegel : Brandenburg-Tag: Schatten über dem Volksfest

Claus-Dieter Steyer

Mitunter sind die Brandenburger doch nicht so leicht zu durchschauen. Da kommt ihr Landesvater vor sechs Jahren auf die Idee, genau wie die Sachsen mitten im Sommer ein Volksfest zu veranstalten: den Brandenburg-Tag. Die Einwohner sollten sich finden, Selbstbewusstsein entwickeln und einfach unbekümmert feiern. Gestern konnte sich Stolpe über eine Erfolgsstory und einen Höhepunkt im Land freuen. Denn die Brandenburger strömten in Massen zum Fest. 120 000 Besucher schoben sich durch die engen Straßen des kleinen Luckau. Vielleicht braucht das kleine Völkchen eben doch ab und zu Abwechslung vom oft tristen Alltag. Verkleidet als mittelalterlicher Reiter, als Butterfrau oder in der Schumi-Rennfahrerkluft lassen sich schließlich Sorgen um Arbeitsplätz und Abwanderung leichter vergessen, wenigstens für ein Wochenende.

Vielleicht brachte deshalb auch der tragische Unfall mit einem Spielgerät auf der Festpromenade den Programmreigen nicht zum Kippen. Wer intensiv nach den Umständen des Unglücks fragte, wurde gestern schnell als Störenfried abgestempelt. Die Presse solle doch nicht so viel über diesen Zwischenfall schreiben, sondern statt dessen die Schönheit des Brandenburg-Tages beschreiben, lautete der Rat einer Angestellten der Luckauer Stadtverwaltung. Es dürfe doch nicht alles kaputtgemacht werden.

Das will niemand. Aber so schnell kann nach diesem vermeidbaren Unfall nicht zur Tagesordnung übergegangen werden. Schluderei oder technisches Versagen haben einen dunklen Schatten auf die ansonsten perfekte Organisation gelegt. Das hilft den betroffenen Familien im Augenblick ihres Leides zwar wenig. Aber es sollte Warnung für künftige Veranstalter sein, Ordnung und Sicherheit mindestens genauso Ernst zu nehmen wie bunte Kostüme und Faschingswagen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben