Der Tagesspiegel : Brandenburg Transitland für Drogen

CLAUS-DIETER STEYER

Ermittlungsgruppe von Landeskriminalamt und Zoll soll Rauschgiftkriminalität eindämmenVON CLAUS-DIETER STEYER Basdorf.Polizei und Zoll werden in Brandenburg gemeinsam die Drogenkriminalität bekämpfen."Die starke Zunahme dieser Delikte zwingt uns zum Handeln", sagte Finanzpräsident Manfred Ehlert von der Oberfinanzdirektion Cottbus gestern im Landeskriminalamt (LKA) in Basdorf.Zusammen mit LKA-Direktor Axel Lüdders rief er eine gemeinsame Ermittlungsgruppe Rauschgift ins Leben.Ihr gehören je drei Beamte beider Behörden an. Die Statistik verzeichnet einen rapiden Zuwachs im Handel, bei der Ein- und Ausfuhr und im Transit von Drogen.1992 wurden noch 149 Fälle registriert, 1994 schon 489 und im Vorjahr 1519.Vor allem Cannabis-Produkte und synthetische Drogen wie Ecstasy und Amphetamin dominieren den Markt.Der Anteil der Drogenkriminalität ist in Brandenburg mit 0,5 Prozent an der Gesamtkriminalität allerdings noch immer gering."Zwar sind wir noch weit von vergleichbaren Zahlen westdeutscher Bundesländer entfernt, doch auf diese Aufholejagd könnten wir getrost verzichten", meinte LKA-Direktor Lüdders.Schwerpunkte der Rauschgiftkriminalität seien die großen Städte des Landes wie Potsdam, Brandenburg/Havel, Frankfurt (Oder) und Cottbus.Doch auch in Eisenhüttenstadt, Bernau, Strausberg und Falkensee habe sich eine Szene etabliert.In Guben starb im letzten Jahr ein 19jähriger herzkranker Jugendlicher infolge des Konsums von Amphetaminen und Cannabis.Er war seit 1992 der zweite Rauschgifttote in Brandenburg. Das Bundesland spielt allerdings als Absatzgebiet für weiche Drogen nur eine untergeordnete Rolle."Bis auf die als Disko-Droge verharmlosten Ecstasy-Tabletten gibt es hier keinen Markt - noch nicht", sagte der LKA-Experte für die Organisierte Kriminalität, Jürgen Albrecht."Über Brandenburg verlaufen vor allem die großen Warenströme aus Polen und aus Holland in Richtung Berlin.Polnische Chemielabors liefern seit 1990 Millionen von Ecstasy-Drogen über die deutsch-polnische Grenze nach Mittel- und Westeuropa.Die Ausgangsstoffe werden in anderer Richtung geschmuggelt." Seit dem Balkan-Krieg kämen Drogen aus Südamerika ebenfalls verstärkt über Polen nach Westeuropa.Die Kuriere seien auf die Route über Rumänien, die Slowakei und Tschechien ausgewichen, berichtete Albrecht. Wie Zollfahnder berichteten, sind an der deutsch-polnischen Grenze die unterschiedlichsten Methoden beim Schmuggelversuch festgestellt worden.Das Spektrum reiche von dreieinhalb Gramm Marihuana in der Unterhose bis zu mehreren Kilo Heroin im Fahrzeugtank oder unter Wagenladungen.Vor allem das Versteck im Tank sei nach wie vor in Mode.Die Autos würden dann so umgebaut, daß der Kraftstoff aus der Waschanlage für die Scheibenwischer kommt."Aber unsere Zoll-Beamten haben inzwischen gute Technik und viele Erfahrungen", versicherte Finanzpräsident Ehlert.Nach einer gewissen Anlaufphase werden die gemeinsame Ermittlungsgruppe schon bald die ersten Großeinsätze gegen Drogenschmuggler starten. Die Täter in diesem Milieu kommen nach Erkenntnissen des Landeskriminalamtes vor allem aus Deutschland: Ehemalige DDR-Bürger, die schon vor 1990 starffällig geworden waren, sogenannte Rückkehrer aus dem Westen, die sich wieder auf dem Gebiet der ehemaligen DDR aufhalten sowie westdeutsche Gruppen.Diese seien jedoch hier nicht so erfolgreich wie im Westen.

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