Brandenburg : Umweltamt verjagt Adler mit Schüssen

In Potsdam ist ein Disziplinarverfahren gegen Mitarbeiter der Landesumweltamts anhängig. Er soll gegen Tier- und Naturschutz sowie Waffenbestimmungen verstoßen haben.

Peter Tiede
Adler
Brandenburgs Wappentier: Der Adler. -Foto: ddp

PotsdamWegen des Verdachts, schwere Vergehen gegen Waffenbestimmungen sowie den Tier- und Naturschutz begangen zu haben, wird gegen einen leitenden Mitarbeiter des Landesumweltamtes (LUA) Brandenburg derzeit intern ermittelt. Das Umweltministerium, dem das LUA untersteht, bestätigte, dass es ein Disziplinarverfahren gegen einen LUA- Mitarbeiter gebe und dass es sich um schwere Vorwürfe handele. Nähere Auskünfte machte Ministeriumssprecher Jens-Uwe Schade unter Verweis auf die laufenden Untersuchungen und Dienstrechtsbestimmungen nicht. Die Vorwürfe, so hieß es im Umweltministerium, reihten sich ein in eine Liste schwerer Vergehen im Verantwortungsbereich des Landesumweltamtes – einem der größten der Bundesrepublik.

Bei dem LUA-Mitarbeiter, gegen den intern ermittelt wird, soll es sich um einen leitenden Mitarbeiter des Schutzgebietes für Großtrappen im Havelländischen Luch handeln. In einem 18-seitigen Bericht einer Praktikantin, die mehrere Monate in dem Schutzgebiet arbeitete, werden ihm schwere Vorwürfe gemacht. Den Bericht haben auch zwei Mitarbeiter des LUA mitunterschrieben. So soll unter Verantwortung des Beschuldigten – angeblich zum Schutz der Trappenbrut – auf streng geschützte Adler geschossen worden sein. Zwar sollten die Adler dem Bericht zufolge nicht abgeschossen, sondern nur verschreckt werden. Doch schon das gezielte Verjagen des brandenburgischen Wappentiers sei unter Umständen strafbar. „Stimmt dieser Vorwurf, wäre es ungeheuerlich. Überall im Land schützen wir den Adler, freuen uns über jedes gelegte Ei und untersagen Investitionen, wenn sie zu dicht an Adlerhorsten liegen – und in unseren eigenen Gebieten sind wir hinter ihm her“, sagte ein ranghoher Ministeriumsmitarbeiter, der den Bericht kennt.

In dem Praktikumsbericht wird der Mann auch beschuldigt, gegen Waffenbestimmungen verstoßen zu haben. So soll der passionierte Jäger anderen Praktikanten seine privaten Jagdwaffen mit auf Streife ins Trappenschutzgebiet gegeben haben. Sollten sie einen Fuchs sehen, so die Behauptung, sollten sie auf ihn schießen, da er ebenfalls den Trappennachwuchs gefährden könne. Keiner der Praktikanten besaß eine Jagderlaubnis, einen Waffenschein oder Erfahrung im Umgang mit Waffen, hieß es aus dem Umweltministerium. Eine offizielle Bestätigung gab das Ministerium nicht.

Ebenso gibt es noch keine Bestätigung für den Vorwurf, Mitarbeiter des LUA hätten Rinder aus Schutzgebieten illegal – teils mit Jagdwaffen – geschlachtet. Die Rinder seien dort zur Beweidung der Kulturlandschaft gehalten worden. Das Fleisch der geschlachteten soll zumindest in einem Fall von der Ehefrau eines leitenden LUA-Mitarbeiters auf Volksfesten und Märkten als Grillfleisch oder in Suppen verkauft worden sein. Die Tiere seien weder bezahlt noch sei das Fleisch ordnungsgemäß von Veterinären der Lebensmittelaufsicht untersucht worden. „Das war von vorn bis hinten illegal“, so der Ministeriumsmitarbeiter, der über die Missstände im LUA informierte.

So berichtete er auch von teils militanten Umweltschützern in den Reihen des LUA. „Das Amt selbst leistet in großen Teilen hervorragende Arbeit. Doch der Ruf des Amtes wird von einigen wenigen ständig ramponiert.“ Diese würden mit aller Macht sämtliche Investitionen außerhalb von Ortschaften systematisch torpedieren. „Wenn manchmal gewitzelt wird, die Umweltschützer bringen die Tiere, wegen derer Investitionen untersagt werden, erst mit, um sie schützen zu können – so ist da etwas dran.“

So hätten Mitarbeiter der LUA-Außenstelle Cottbus schon in den ersten Planungsphasen versucht, den Bau eines Solarkraftwerks zu verhindern. Es sollte auf einem – nicht geschützten – Teil des ehemaligen Truppenübungsplatzes Lieberose im Süden Brandenburgs entstehen. „Da hat einer einen Wiedehopf fliegen sehen – dann haben die da Nistkästen auf dem Areal verteilt, in der Hoffnung, dass er dort brütet“, berichtet der Ministeriumsmitarbeiter weiter. Ein zweiter bestätigt dies: „Die wollten den Vogel da haben, dann hätten sie ihn schützen und die Investition, die niemandem – auch keinem Tier und keiner Pflanze – schadet, verhindern können. Es wäre nicht das erste Mal gewesen.“

Erst vor kurzem war bekannt geworden, dass unter Verantwortung des LUA bei der Sanierung eines Spreewaldfließes seltene, streng geschützte Muscheln vertrocknet sind. Schon danach habe Umweltminister Dietmar Woidke (SPD) getobt, es reiche ihm mit „den militanten Hanseln“, die den Ruf des LUA und des Ministeriums vor Ort ramponierten. „So langsam weiß das Ministerium nicht mehr, wie es die Pannen und schweren Zwischenfälle, die ständig aus dem LUA gemeldet werden, noch reparieren soll“, so ein Mitarbeiter aus dem Umfeld des Ministers. „Langsam reicht’s.“

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