Brandenburg : Waldbrand-Kameras werden zum Exportschlager

Die Detektoren zur Früherkennung von Feuern haben ihre Tauglichkeit in Brandenburg bewiesen – jetzt wollen auch andere Länder sie einsetzen.

Andreas Wilhelm
Waldbrand
Exportschlager aus Brandenburg: Waldbrände am PC verhindern. -Foto: ddp

PotsdamEs war als Scherz gemeint, was Karl-Heinrich von Bothmer, Leiter der Forstabteilung beim Brandenburger Umweltministerium, neulich sagte: „Hätten wir ein Patent auf Fire-Watch angemeldet, müsste das Land keine Schulden mehr machen.“ Ganz falsch war die Bemerkung nicht. Das Waldbrand-Früherkennungssystem auf der Basis optischer Rauchdetektoren, das in Brandenburg zum ersten Mal eingesetzt wurde, ist eine Erfolgsgeschichte. Nicht nur, dass das Land seine Waldbrand-Probleme in den Griff zu bekommen scheint – auch in Sachsen und Sachsen-Anhalt sind die Systeme bereits installiert, in Mecklenburg-Vorpommern läuft die Planung. Und auch im Ausland ist „Fire-Watch“ schon ein Begriff.

„In Estland sind bereits fünf Türme mit den Kameras ausgerüstet“, sagt Holger Vogel, Leitender Ingenieur bei der Berliner Herstellerfirma IQ-Wireless. Jährlich wolle das baltische Land fünf weitere Türme installieren. „Das ist unser erstes großes Auslandsgeschäft“, sagt Vogel. Mit mehr als zwei Millionen Euro mache das Frühwarnsystem bereits 50 Prozent des Umsatzes des Unternehmens aus. Auch mit Griechenland und Portugal arbeite man schon seit Jahren zusammen. Beide Länder leiden regelmäßig unter Feuersbrünsten, in Griechenland wüteten in diesem Sommer die europaweit schlimmsten Waldbrände. Zu einem konkreten Vertrag aber sei es trotzdem noch nicht gekommen. Eine Mentalitätsfrage, meint Vogel: „Wenn es brennt, ist es zu spät für Fire-Watch, und wenn es nicht brennt, haben die Behörden alles vergessen.“ In Tschechien, Russland, Kanada, Niederlande und in der Türkei sind Testsysteme in Betrieb.

Detektoren erkennen aus zehn Kilometer Entferung Rauchsäulen

Auch in Brandenburg hat das Projekt von der Idee bis zum flächendeckenden Einsatz sieben Jahre gebraucht. Im Jahr 2000 gehabt hätten die Forstämter angesichts der damals bevorstehenden Personaleinsparungen das Land gewarnt, dass sie bald nicht mehr genügend Mitarbeiter hätten, um die Waldbrand-Beobachtungstürme zu besetzen. „Zum Teil hatte man die Jobs ehrenamtlich zum Beispiel durch Rentner machen lassen“, erinnert sich Michael-Egidius Luthard, Referatsleiter für Waldschutz beim Umweltministerium. „Doch das konnte schon aus arbeitsrechtlichen Gründen keine Dauerlösung sein.“

Das digitale Fernbeobachtungssystem ist in der Lage, größere Waldgebiete permanent auf Rauchentwicklung zu prüfen. Die Detektoren erkennen auf zehn Kilometer Entfernung Rauchsäulen von zehn mal zehn Metern anhand ihrer Struktur und der Lichtbrechung. Diese können schon aus Brandflächen von einem Quadratmeter entstehen.Durch Kreuzpeilung erhält die Feuerwehr die präzisen Koordinaten des Brandherdes.

Kameras halten statt Menschen Ausschau

In Brandenburg sind insgesamt 110 Digitalkameras im Einsatz. Eine Kamera überwacht einen Umkreis von 10 bis 15 Kilometern. Bei einer vollen Umdrehung, die zehn Minuten dauert, können von ihr etwa 700 Quadratkilometer Wald überwacht werden.

Seit Kameras statt Menschen Ausschau halten, sind die Brände zwar nicht unbedingt weniger geworden. Kleiner aber schon. Früher hätten die Flammen immer viele Hektar erfasst, sagt Luthard. Heute seien zwei bis drei Hektar der Normalfall.

Dabei steht Brandenburg dem Mittelmeerraum in Sachen Brandgefahr kaum nach. „Wir sind in die höchste Waldbrand-Gefahrenklasse eingestuft“, sagt Luthard. Gründe seien die geringe Durchschnitts-Regenmenge und den hohen Bestand an Kiefern in der Region. 40 Prozent aller deutschen Waldbrände brechen laut Umweltministerium in Brandenburg aus. Zwei Millionen Euro bekomme Brandenburg deshalb jährlich von der Europäischen Union für vorbeugenden Waldbrandschutz. Zehn Millionen Euro hat die komplette Fire-Watch- Anlage mit ihren 110 Kameras auf den Beobachtungstürmen, den Monitoren in den zehn Forstämtern sowie der Zentrale in Wünsdorf gekostet. Unterhaltung und Wartung kosten nach Luthards Angaben nochmals 300 000 Euro im Jahr. Ein Patent für Fire-Watch kann das Land freilich nicht anmelden, sagt Luthard. Das System stammt eben von IQ-Wireless.

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