Der Tagesspiegel : Brandenburg will feiern – aber wie

Nächsten Sommer wird die Mark 850 Jahre alt

Michael Mara

Potsdam - Im kommenden Sommer wird die Mark Brandenburg 850 Jahre alt. Doch Parlament und Regierung haben bisher offenbar noch kein Konzept für eine angemessene Feier des Jubiläums und üben auffallende Zurückhaltung. Deshalb hat nun die parlamentarische Geschäftsführerin der CDU-Landtagsfraktion, Saskia Funck, angeregt, am 11. Juni 2007 eine Sitzung des Landtages im Dom von Brandenburg/Havel abzuhalten: Als „würdevollen Beitrag“ zu diesem Fest, wie sie an Landtagspräsident Gunter Fritsch (SPD) schrieb. Denn am 11. Juni 1157 eroberte Albrecht der Bär die „Brandenburg“ – die heutige Havelstadt – und nannte sich fortan „Markgraf von Brandenburg“. Das Datum gilt als Beginn staatlicher Kontinuität der Mark.

Fritsch steht dem Anliegen, das auch von der Stadt Brandenburg unterstützt wird, grundsätzlich offen gegenüber. Allerdings hält er nichts von einer regulären Arbeitssitzung des Landtages im Brandenburger Dom, weil sie dem Jubiläum nicht angemessen wäre. Fritsch kann sich eher einen Festakt des Landtages vorstellen. Dem Vernehmen nach will sich Fritsch demnächst mit Regierungschef Matthias Platzeck (SPD) darüber verständigen, wie sich das Land bei dem Jubiläum engagiert. „Es ist klar, dass das Land etwas tut. Was, das wird noch geklärt“, sagt Staatskanzleichef Clemens Appel.

Funck erinnert daran, dass das Ereignis die „Initialzündung zur Entstehung der Mark Brandenburg“ gewesen sei. „Dieses Datum verkörpert für unsere gesamte Heimat einen identitätsstiftenden Fixpunkt.“ Nach Ansicht von Funck sollte sich deshalb auch das Land Brandenburg aktiv an den Festlichkeiten zu „850 Jahren Mark Brandenburg“ beteiligen, die die Stadt Brandenburg bereits seit einiger Zeit vorbereitet.

Funck steht mit ihrem Vorstoß nicht allein. Schon seit längerem drängt der SPD-Landtagsabgeordnete Ralf Holzschuher die Landesregierung, das Jubiläum nicht als kommunale Angelegenheit der – viel älteren – Havelstadt Brandenburg abzutun. Er hatte sich bereits im Dezember 2005 an den Ministerpräsidenten mit der Bitte gewandt, 2007 das Jubiläum würdig zu feiern. „Das Ereignis bietet Gelegenheit, das Traditions- und Selbstbewusstsein der Märker zu stärken“, schrieb Holzschuher an Platzeck. „Wir könnten bundesweit deutlich machen, dass das Land Brandenburg auf eine weit längere Geschichte zurückblickt als die meisten anderen Bundesländer.“ Holzschuher regte an, auch Berlin in die Feierlichkeiten einzubeziehen. Schließlich gebe es eine über Jahrhunderte gemeinsame Geschichte. Bisher wurden mit Berlin aber keine Gespräche geführt.

Vielmehr war das Antwortschreiben, das Holzschuher von Platzecks Staatskanzleichef Clemens Appel im Januar 2006 erhielt, sehr zurückhaltend. Appel teilte mit, dass der Ministerpräsident den Termin „vorgemerkt“ habe, und begrüßte im Namen Platzecks „alle diesbezüglichen Aktivitäten auf kommunaler Ebene“. Und: „Ich teile Ihre Auffassung so weit, dass dieses wichtige Ereignis von der Stadt Brandenburg/Havel und dem Domstift Brandenburg gemeinsam gewürdigt und auch touristisch vermarktet werden sollte.“ So, als ob es um das Landesjubiläum gehe, las sich die damalige Antwort allerdings nicht.

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