Brandenburg : Wo Theater ist, ist keine Provinz

Potsdam, Cottbus, Senftenberg, Schwedt und anderswo: Trotz angespannter Etats findet rund um die Hauptstadt mehr Kultur statt, als mancher Berliner vermutet.

Frederik Hanssen
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„Das Land Brandenburg sollte sich schämen für seine geringen Kulturausgaben! Inzwischen ist man da schon im Nirwana angekommen!“ Bei der Präsentation seiner Saison 2008/09 fuhr Uwe Eric Laufenberg schwere Geschütze auf. Und zwar gegen die gesamte Regierungsmannschaft um Matthias Platzeck (SPD). Der Intendant des Potsdamer Hans- Otto-Theaters braucht kein Blatt mehr vor den Mund zu nehmen: Ab Herbst 2009 hat er einen Vertrag als Chef des Kölner Opernhauses in der Tasche. So mancher Theaterleiter der Region dürfte still genickt haben, als Laufenberg erklärte, von einem „Kulturland Brandenburg“ könne längst keine Rede mehr sein.

Die Theater in Potsdam, Cottbus, Frankfurt (Oder), Brandenburg/Havel, Senftenberg und Schwedt, die bis 1989 als Mehrspartenhäuser mit Schauspiel, Oper und Ballett geführt wurden, sind seit der Wende rigoros verschlankt worden. Eine ganzjährige kulturelle Basisversorgung wird vielerorts nur noch mit Mühe aufrechterhalten. Weil alle größeren Städte im Land ihr eigene Bühne behalten wollen, andererseits aber auch sparen müssen, wurde auf Druck des Kultusministeriums im Jahr 2000 ein „Theaterverbund“ gegründet: Seitdem tauschen Potsdam, Frankfurt und Brandenburg gegenseitig Produktionen aus. Weil der Landeszuschuss in Höhe von 26 Millionen Euro für den Theaterverbund bis 2010 gedeckelt ist, aber auch im Theaterbetrieb alles immer teuerer wird, reicht die Summe künftig für die kostspieligste Gattung, die Oper, nicht mehr aus. Darum wurde in Brandenburg die Musiktheatersparte gestrichen. Jetzt muss das Staatstheater Cottbus, das letzte Haus des Landes, das noch über ein eigenes Opernensemble und einen Chor verfügt, mit seinen Produktionen herumreisen.

Neben den sechs großen Theatergebäuden existieren zwischen Wittenberge und Lübben, Prenzlau und Eisenhüttenstadt derzeit noch 39 weitere kleine und kleinste Kulturstandorte. Hier gastieren Poeten, Schlagersänger, Kabarett-Ensembles, Dia- Vortrag-Profis und tingelnde Boulevardtheatertruppen. Aber auch rund 20 Freie Theater gibt es im Land noch – als jüngste Gründung die Freien Kammerspiele Babelsberg –, und sie werden vom Kulturministerium zusammen mit jährlich 800.000 Euro unterstützt. Unter ihnen befindet sich sogar eine Opernkompanie: „I Confidenti“, was auf Deutsch „Die Zuversichtlichen“ heißt. Ein Name, der sich selber Mut macht.

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