Brandenburger CDU : Wider das "sozialistische Menschenbild"

Heimat, Nation, Familie: Saskia Ludwig, Brandenburgs CDU-Landesvorsitzende, verteidigt ihren Kurs. Bei Partei-Granden findet sie darin Unterstützung. Kritik kommt von der Kirche.

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Saskia Ludwig, Vorsitzende der brandenburgischen CDU.
Saskia Ludwig, Vorsitzende der brandenburgischen CDU.Foto: ddp

Sie würde es wieder tun. Saskia Ludwig, 43 Jahre, CDU-Landeschefin in Brandenburg, beugt sich keiner „Meinungsdiktatur“. Sie selbst ließ das Stichwort irgendwann bei der Veranstaltung der Konrad-Adenauer-Stiftung dieser Tage in Potsdam fallen, bei der es um den „Markenkern“ der Union in diesen Zeiten ging. „Ich finde schon erstaunlich, dass man sofort in eine Schublade gesteckt wird, wenn man von Heimat, Nation, Familie und Landschaft spricht“, sagte Ludwig da. Und sie ließ keinen Zweifel daran, dass sie so weitermachen wird, gegen „die letzte linke Landesregierung“, Stasi-Spitzel selbst am Koalitionstisch.

Die Auseinandersetzung in Brandenburg will sie um eine Grundfrage führen: Hier das „sozialistische Menschenbild“ von SPD und Linken, da das „bürgerliche Menschenbild“ der Union, „ideologiegetriebene“ gegen „wertegebundene Politik“. Entweder oder, für Saskia Ludwig sind die Dinge klar. Sie ist auf einer Mission, von der sie zutiefst überzeugt ist. Niemand unterstellt ihr Taktik.

Das ist der Grund, weshalb sie sich bestätigt sieht, mit dem im Rechtsaußen-Blatt „Junge Freiheit“ platzierten Plädoyer für eine „basisliberale“ Ausrichtung der Bundes-Union, richtig zu liegen. Die Aufregung von FDP und Grünen im Landtag, die die Kooperation kündigten, werde sich legen, sagt sie. „In Brandenburg ist es ungewöhnlich, dass man eigene Wege geht.“ Ein Satz, in dem viel Distanz mitschwingt.

An diesem Abend hatte Ludwig zumindest prominente Unterstützung für den umstrittenen Zeitungsbeitrag. „Wir sind ein freies Land“, sagte Bernhard Vogel, Ex-Ministerpräsident in Rheinland-Pfalz und Thüringen. „Es ist Aufgabe der CDU, dafür zu sorgen, dass es rechts von ihr keine demokratische Partei gibt“, sagte Jörg Schönbohm, 74 Jahre, Ex-Innenminister in Brandenburg. Dem Ehrenvorsitzenden der märkischen CDU imponiert offensichtlich, wie er von seiner politischen Urenkelin mit ihrem polarisierenden Konfliktkurs übertroffen wird. Freilich, in Landesverband und Fraktion gab es kaum öffentliche Zustimmung, hat Ludwig, wie bereits mit dem Schönefeld-Vorstoß für eine dritte Startbahn am anderen Standort, erneut Irritationen ausgelöst.

Aber nach außen stehen die Reihen in der am Trauma früherer Machtkämpfe leidenden Union. Einen Aufstand muss Ludwig, die die Partei eisern führt und im Frühjahr ihr zweites Kind erwartet, daher nicht befürchten. Und es fallen ja klare Worte, intern. So übten jüngst die beiden Ex-Justizministerinnen Beate Blechinger und Barbara Richstein – sie ist auch Parteivize – in der Fraktion Kritik an der Ludwig-Publikation in der „Jungen Freiheit“. Die Folge? Es habe „keine Kritik“ gegeben, verkündete ihr Generalsekretär Dieter Dombrowski danach in der Pressekonferenz, was er später so erklärte: Er habe es nicht als Kritik an Ludwig verstanden.

Es gibt in der CDU einige, die wegen derlei Vorfällen von „Doppelmoral“ und „selektiven Wahrnehmungen“ sprechen, keiner laut. Es ist eine Minderheit. Und bei der Werte-Veranstaltung in Potsdam gab es Zuspruch im Publikum für den Ludwig- Kurs, aber eben auch leise, aber deutliche Mahnungen von zwei Persönlichkeiten, die man zum „Bürgertum“ in Brandenburg zählen kann.

Eigentlich müssten sich in der „religiös gemäßigten Zone“ Brandenburgs Kirche und Partei mit dem „C“ näher sein, sagte etwa Oberkonsistorialrat Martin Vogel, offizieller Vertreter der evangelischen Kirche. Stattdessen gebe es ein „gewisses Fremdeln“. Aufseiten der Kirche liege es wohl auch daran, dass man bei der CDU soziales Profil vermisse. Zum anderen kritisierte Vogel, ohne Ludwig namentlich zu nennen, persönlich verletzende Auseinandersetzungen, regte einen „Ehrenkodex“ der CDU für den Polit-Alltag an. Gerade in einem kleinen Land wie Brandenburg solle man den Gegner mit Argumenten stellen, und zwischen Position und Person trennen, sagte Vogel, der einen Dialog anbot.

Ex-General Peter von Kirchbach, CDU, „Hochwasserheld“ und Johanniterpräsident sagte, dass sich die CDU mit ihrem Menschenbild dem Stil der Auseinandersetzung „in besonderer Weise“ stellen müsse. Die Reaktion Ludwigs, die schon den nächsten Termin hatte, wäre interessant gewesen.

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