Der Tagesspiegel : Brandenburger Wahlkampf-Hilfe in Berlin kaum gefragt

Platzeck tritt öfter in Mecklenburg-Vorpommern auf Schönbohms Angebot bleibt bisher unbeantwortet

Michael Mara

Potsdam - Berlin und Brandenburg wollen zu einer Region zusammenwachsen, die institutionelle Vernetzung zwischen den Ländern wird immer enger. Doch als Wahlkämpfer für die Berliner Schwester-Parteien sind Brandenburgs Politiker offensichtlich nicht besonders gefragt. Was wohl auch daran liegen mag, dass sie in Berlin – von Regierungschef Matthias Platzeck (SPD) und Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) einmal abgesehen – ziemlich unbekannt sind und folglich kaum als Stimmenfänger dienen können. So halten sich die Angebote aus Berlin in Grenzen, wie eine Umfrage des Tagesspiegel ergab.

Selbst Matthias Platzeck wird in der „heißen Phase“ wohl nur zweimal mit dem Regierenden Bürgermeister und SPD-Spitzenkandidaten Klaus Wowereit unterwegs sein, wie Generalsekretär Klaus Ness erklärt. Am 28. August sei ein gemeinsamer Auftritt auf dem Alexanderplatz geplant, außerdem werde Platzeck „beim Schlussspurt der Berliner SPD mitmachen“. Mehr als zwei Auftritte seien „nicht üblich“, sagt Ness. Beim Landtagswahlkampf 2004 in Brandenburg sei Wowereit nur einmal aufgetreten.

Dabei macht Platzeck „der Wahlkampf mit Klaus Wowereit in Berlin Spaß“, wie er mit Blick auf die gemeinsame Tour durch Pankow letzte Woche gesteht. Er werde „ein bisschen mehr in Mecklenburg-Vorpommern“ unterwegs sein, wo es vielleicht notwendiger sei, sagt Platzeck. Immerhin wird auch SPD-Fraktionschef Günter Baaske einmal mit seinem Berliner Kollegen Michael Müller durch dessen Wahlkreis tingeln.

Gemeinsame Wahlkampf-Auftritte mit dem CDU-Spitzenkandidaten Friedbert Pflüger? Brandenburgs CDU-Landeschef Jörg Schönbohm, in der Hauptstadt seit seiner Zeit als Berliner Innensenator kein Unbekannter, kann bisher keinen Termin nennen: „Ich habe Pflüger angeboten, mitzumachen.“ Pflüger müsse ihn aber so nehmen, wie er sei: ein Mann des klaren Wortes. Schönbohm, der sich einen konturenschärferen Wahlkampf der Berliner CDU gewünscht hätte, wird in jedem Fall am kommenden Sonntag beim Sommerfest der Berliner CDU dabei sein. Außerdem gibt es Anfragen von Kreisverbänden. Freilich wäre dem streitbaren Konservativen eine richtige Kundgebung lieber.

Auch Hochschul- und Kulturministerin Johanna Wanka, die als mögliche Spitzenkandidatin der brandenburgischen CDU bei der Landtagswahl 2004 gilt, hat Pflüger angeboten, sich für ihn zu engagieren. „Entschieden ist noch nichts“, sagt sie. Reizen würde Wanka zum Beispiel eine Debatte mit Berlins umstrittenem Wissenschafts- und Kultursenator Thomas Flierl von der PDS.

PDS-Landeschef Thomas Nord wird in Berlin nicht als Akteur mitmischen: „Ich bin zu verschiedenen Veranstaltungen eingeladen, trete aber nicht auf.“ Die märkischen Spitzenpolitiker von FDP und Grünen haben ihren Parteien in Berlin signalisiert, dass sie mitmachen würden. Große Auftritte sind aber wohl nicht geplant. FDP-Landeschef Heinz Lanfermann weiß jedenfalls noch nichts Genaues. Grünen-Landesgeschäftsführerin Marie Luise von Halem sagt, dass man sich an einigen kleineren Aktionen und Festen der Grünen beteiligen werde.

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