Der Tagesspiegel : Brandenburgische Sommerkonzerte: Klassik auf Landpartie

Frederik Hanssen

Ab 16. Juni sind sie wieder auf Landpartie: Im elften Jahr zieht es die Klassiker nun schon allsommerlich ins Brandenburgische - und die Berliner folgen ihnen immer noch begeistert. Fünfzig Prozent der 17 000 Besucher des privat organisierten (und finanzierten!) Festivals kamen im letzten Jahr aus der Hauptstadt. Viele von ihnen sind Stammkunden, die gerne auch ein paar Mark mehr für die exquisiten Programmpakete der Sommerkonzerte hinlegen. Denn die Auftritte der Künstler in den Kirchen, Scheunen und Schlössern des Umlands sind jeweils nur die Krönung eines durchorganisierten Tagesausflugs. Von der Fahrt mit dem Reisebus ab Berlin über die Stadtführung vor Ort bis zur Kaffeetafel unter freiem Himmel locken die Rundum-Wohlfühl-Angebote der Brandenburgischen Sommerkonzerte vor allem ältere Klassikfreunde ohne Auto, die sonst kaum in die entlegenen Winkel des Bundeslandes kommen würden.

In jeder Saison neue Spielorte präsentieren zu können, ist der Ehrgeiz der Veranstalter. Diesmal sind es zum Beispiel die frisch renovierte Kirche von Oderberg in der Nähe des Schiffshebewerks bei Eberswalde, die Landkirche Lieberose oder auch St. Marien in Beeskow. Hier tritt zur Eröffnung die Deutsche Kammerphilharmonie unter dem Dirigenten-Shootingstar Daniel Harding auf. Und natürlich ist man auch auf der Bundesgartenschau in Potsdam dabei: Am 11. August vereinigen sich dort fünf Perkussionisten zu einer "Symphonie für Trommeln und tönende Teile". Jazziges bieten das Jacques-Loussier-Trio am 30. 6. in Neuruppin und "The Berlin Philharmonic Jazz Group" am 19. 8. auf Schloss Liebenberg.

Zwei Programm-Akzente ehren 2001 vielseitige Künstlerpersönlichkeiten: Unter dem Motto "Vier Tage für Felix" wird der Komponist Meldelssohn-Bartholdy gefeiert. Nach dem erfolgreichen Vorbild der Schubertiaden im vergangenen Sommer schließt sich an jedes Konzert ein musikalisch-literarischer Salon an. Einem Multitalent der Gegenwart gilt der zweite Schwerpunkt: Peter Ruzicka, der promovierte Jurist, künftige Intendant der Salzburger Festspiele und produktive Komponist wird selber dabei sein, wenn am 24. Juni in Gramzow Dietrich Fischer-Dieskau als Sprecher im Stück "...sich verlierend..." zu erleben ist und Sebastian Bluth am 1. Juli Lieder von Ruzicka, aber auch von Schubert, Brahms und Schumann singt.

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